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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

LEDING: Den Dingen einen Namen geben

Manchmal verändern sich Dinge, auch wenn es lediglich ein Name zu sein scheint. So ist aus salvation AMP nun Leding geworden, benannt nach Mastermind Christ Ian Leding. Die Transformation ist vollzogen, das erste Album der neuen Formation mit dem Titel The Invisible Man ist. In einem sehr offenen und spannenden Interview lässt uns Christ Ian nicht nur an der Grunderneuerung seiner Band, sondern auch an seinem Seelenleben teilhaben. Vielen Dank dafür!

Otti:
Gehen wir mal zum Anfang: Deine neue Band Leding ist aus salvation AMP erwachsen. Wie kam es dazu, und was sprach dagegen, die alte Band fortzuführen?

Christ Ian:
Wir mussten eine Umbesetzung vornehmen. Im Zuge dessen sind alte Spannungen nochmals hochgekocht, welche ich schon lange für ausgeräumt erachtet hatte. Das war zum Teil nicht so schön, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, den Namen der Band endgültig zu ändern. So konnte und kann ich mit dem was gewesen ist endlich abschließen.

Leding:
"Ich liebe halt neben den großen alten Heroen des britischen Wave und Goth auch Pink Floyd und Jimi Hendrix."

Otti:
Was sind in deinen Augen die klaren musikalischen und Inhaltlichen Unterschiede zwischen Leding und der Vorgängerformation?

Christ Ian:
Es gibt tatsächlich so gut wie keine Unterschiede, um ehrlich zu sein, außer, dass die Stimmung innerhalb der Band sich sehr zum positiven geändert hat. Von Anfang an bin ich der Songschreiber gewesen, von daher ist es am Ende nur logisch, dass da jetzt mein Name dran steht. Es ist kompliziert oder sagen wir weiterer Erklärungen nötig, um das zu verstehen, was das ganze mit mir gemacht hat, bzw der lange Prozess, der für mich dahinter gesteckt hat, der schlussendlich zu der Veränderung geführt hat. Dazu müsste ich allerdings zu sehr ins persönliche hinein gehen, was denke ich hier zu weit führen würde.

Otti:
Dieses Interview soll sich vor allem um die Bandformation Leding drehen, es gibt Dich aber auch als gleichnamiges, akustisches Soloprojekt. Ist es nicht etwas verwirrend, zwei Musikprojekte nach Deinem Namen zu benennen? Und was, abseits von Dir selbst, verbindet die beiden Konzepte?

Christ Ian:
Gerade deshalb, weil mein Name für beides steht, macht es wirklich Sinn. Es ist ähnlich wie bei klassischen Singer-Songwritern: es gibt sie meist solo und mit voller Band. So spiele ich von Anfang an - ich bin erst vor zwei Jahren angefangen solo-akustisch zu spielen - regelmäßig auch Songs vom Band-Lineup akustisch. Umgekehrt ist das bisher noch nicht der Fall, aber das wird sicherlich noch kommen. Heißt, ich will das gar nicht so voneinander trennen. So habe ich auch ab und zu, wenn wir live mit voller Band gespielt haben, auch mal akustische Songs gespielt. Wer sich also mit Leding befasst, wird schnell merken, dass es mich oder uns in unterschiedlichen Formen gibt, aber es immer die gleiche Handschrift ist.

Otti:
Nun habt Ihr mit The Invisible Man Euer erstes Album als Leding (in Bandformation) veröffentlicht. Unter welchen Umständen habt Ihr die Songs darauf geschrieben, und was ist das verbindende Element zwischen ihnen?

Christ Ian:
Schon 2016 wollten wir das Album veröffentlichen, da noch unter dem alten Namen. Aber es hat nicht klappen wollen, es zögerte sich immer weiter hinaus. Hinzu kamen dann noch gesundheitliche Probleme meinerseits, was es für mich quasi unmöglich machte, das Album fertigzustellen. Erst mit den verschiedenen Veränderungen der letzten zwei Jahre konnte ich den Faden wieder aufnehmen und wir dann endlich das Album fertigstellen. Es ist eine große Erleichterung, dass dies endlich geschehen ist. Damit habe ich und auch wir einen Schlusspunkt gesetzt, von dem aus es jetzt weitergehen kann und wir gemeinsam weiter machen. Ich spreche da im besonderen von meinem langjährigen Schlagzeuger Steve und unserem neuen Bassisten Thomas. Und auch für meine Partnerin Annie, die im Hintergrund der Band für sehr viele Dinge zuständig ist, ohne die wir als Band so nicht funktionieren könnten. Und um auf die eigentliche Frage zurück zu kommen: die Songs sind ab 2015 nach und nach entstanden. Für mich sind sie wie eine kleine Zeitreise. Einige Aufnahmen waren schon fertig, andere nur als Demo (ich nehme immer erst Demos auf, bevor wir dann mit der Band die Arbeit daran aufnehmen). Als wir im letzten Jahr erneut an das, was schon alles produziert war herangegangen sind, haben wir noch einige Dinge in der Produktion überarbeitet oder erneuert. Die Songs als solche nicht.

Otti:
Das Album ist komplett in Eigenregie entstanden, ohne Label oder Agenturen. Was hat Euch zu dieser Vorgehensweise bewogen?

Christ Ian:
Es ist die totale Unabhängigkeit. Wir haben mit niemandem Verträge, machen alles selbst. Das Songwriting, die Aufnahmen, die gesamte Produktion, das Layout bis hin zum Vertrieb. Unser Booking läuft genauso. Natürlich bringt das unendlich viel Arbeit mit sich, aber dadurch sind wir absolut frei in allem was wir tun. Dennoch würde ich eine Zusammenarbeit mit einem Label, Vertrieb oder einer Booking-Agentur nicht kategorisch ausschließen wollen. Wir bemühen uns halt nicht aktiv darum.

Otti:
Ist es nicht extrem schwierig, in der heutigen Zeit als reine Independent-Band Gehör zu finden?

Christ Ian:
Ja, das ist schwierig. Dennoch bietet das Internet derart viele Möglichkeiten, sich und seine Musik zu verbreiten und ein wenig bekannt zu machen. Es ist kein Vergleich zu sagen wir 1992, als wir mit meiner ersten Formation Demotapes per Post verschickt haben. Früher war nicht alles besser.

Otti:
Zurück zum Album: Auf welche Kniffe und Feinheiten bezüglich The Invisible Man bist Du besonders stolz?

Christ Ian:
Schwierige Frage. Das mit dem Stolz ist immer so eine Sache. Ja doch, ich bin stolz. Stolz darauf, dass es fertig ist. Und dass wir es nicht mal soeben fertiggestellt haben, damit es denn endlich auch mal gut ist, nein. Ich denke, wir können sehr zufrieden sein mit dem Ergebnis und freuen uns jetzt sehr darauf, mit dem Album auf Walze zu gehen. Live spielen und touren ist das größte. Wir verstehen uns als Liveband, nicht als Studioprojekt. Und ich bin sehr glücklich damit, dass wir es wieder in kompletter Eigenregie im Heimstudio aufgenommen, gemischt und gemastert haben.

Otti:
Und was waren die schwierigsten oder anstrengendsten Momente während des Songwritings und/oder der Aufnahmen der Tracks?

Christ Ian:
Ich bin an Depressionen erkrankt. Sowas ist kein Spaß. Da geht dann von jetzt auf gleich nichts mehr. Ich habe irgendwann erkannt, dass ich professionelle Hilfe brauche. Ich habe zwar ein sehr gutes privates Umfeld, aber auch die liebsten Menschen um dich herum können dir irgendwann nicht mehr helfen. Ich gehe sehr offen damit um, es sollte kein Tabuthema sein, im Gegenteil. Ich bin in Behandlung und es geht mir langsam besser, es hilft. Dies hatte mich jedenfalls sehr aus der Bahn geworfen, konnte kaum noch Gitarre spielen, geschweige denn am Album arbeiten. Ein Glück, scheint das schlimmste vorüber zu sein, denn ich und wir sind wieder voll dabei und freuen uns auf alles, was kommt!

Otti:
Als Außenstehender würde man Euren Sound wohl im Bereich Gothrock/Postpunk verorten. Wo siehst Du Euch selbst, und was denkst Du ganz allgemein über die Kategorisierung von Musik?

Christ Ian:
Die Begriffe Gothrock und Postpunk sind sicherlich passend, wenn man unsere Musik beschreiben möchte. Ich bin nicht der Typ, der sich gegen Kategorisierungen streubt. Viele meinen ja, dass ihre Musik sich nicht in Schubladen stecken lässt, dass es keine Begriffe dafür gibt. In den meisten Fällen lässt sich eine oder meist mehrere Schubladen und Begriffe finden. Der Mensch will den Dingen Namen geben, um sie einordnen zu können. Das ist ganz natürlich. Für unseren Sound würde ich noch einige weitere Schubladen öffnen wollen. Psychedelic zum Beispiel oder einfach Indierock, Darkwave auch. Ich spiele gerne Gitarrensoli, was durchaus unüblich, wenn nicht gar verpönt ist in manchen der genannten Genres. Ich liebe halt neben den großen alten Heroen des britischen Wave und Goth auch Pink Floyd und Jimi Hendrix.

Otti:
Ein wichtiger Kanal für den Vertrieb Eurer Musik ist offenkundig Bandcamp. Wo siehst du die großen Vorteile dieser Plattform? Und auf der anderen Seite: Was sollte dort Deiner ansicht nach mal dringend verbessert werden?

Christ Ian:
Ja, Bandcamp ist unser Verkaufsportal für all unsere Alben, Merch und Downloads oder auch Tickets für unsere Veranstaltungen. Es ist wie gemacht für Indie-Musiker. Es ist einfach, kostengünstig und frei von Werbung. Die Nachteile sehe ich eher bei anderen Portalen wie Youtube, wo man sich im Grunde sämtliche Musik umsonst anhören und sogar herunterladen kann. Da haben die Künstler dann gar nichts von, es sei denn die Klickraten sind exorbitant hoch, was bei Underground-Künstlern doch eher unwahrscheinlich ist. Leider überträgt sich diese "alles umsonst"- Mentalität auf uns Konsumenten (ich zähle mich auch dazu). Musik oder Kunst im allgemeinen sollte nicht umsonst sein, sie gehört bezahlt.

Otti:
Vor kurzem wart ihr für ein paar Konzerte in Belgien und Frankreich, was für deutsche Bands vergleichsweise ungewöhnlich ist. Wie hat sich denn diese Mini-Tour ergeben?

Christ Ian:
Wir haben schon immer großes Interesse daran gehabt, für unsere Konzerte weiter zu reisen. So waren wir auch schon in Italien, Finnland, England, der Schweiz und sonst wo. Wir sind gerne unterwegs und spielen eher selten mal direkt bei uns in der Gegend. Auch wollen wir nicht immer wieder in den gleichen Clubs spielen. In Frankreich und Belgien waren wir noch nie und da wir einige Kontakte in Frankreich haben, war es wirklich an der Zeit gewesen, gen Westen zu fahren. Das Gute daran, Konzerte im Ausland zu spielen ist sicherlich, dass man seine Filterblase und sein Umfeld verlässt und man die Möglichkeit hat, vor vollkommen fremden Publikum zu spielen. Es haben sich dabei auch oft schon bleibende Verbindungen und Freundschaften entwickelt.

Otti:
Was macht für dich ganz allgemein ein richtig gutes Konzert aus?

Christ Ian:
Ein richtig gutes Konzert entführt mich in eine andere Welt. Einige Bands schaffen dies und nehmen einen mit auf eine Reise an Orte, die es in der Realität gar nicht gibt. Und ein Konzert ist gut, wenn es das Herz oder das Innerste berührt. Dabei spielt die Musikrichtung keine Rolle. Glücklicherweise durfte ich schon so einige solcher Konzerte erleben.

Otti:
Und kannst Du auf der anderen Seite von einem Konzertbesuch als Gast berichten, bei dem Du richtig enttäuscht wurdest?

Christ Ian:
Ja, auch das ist vorgekommen. Wenn ich zum Beispiel feststelle, dass neben den so häufig vorkommenden Keyboard-Backings auch Gitarren als Backings mitlaufen obwohl ein Gitarrist auf der Bühne steht. Oder aber, wenn Bands versuchen, krampfhaft jemand anderes darzustellen, was glaube ich gerade in unserem Genre sehr verbreitet ist. Man denke nur an die vielen Sisters und Nephilims Copycat-Bands.

Otti:
Als Musiker, insbesondere im "düsteren" Segment, ist man oft sensibel für die Probleme der Mitmenschen und auch der Welt allgemein. Würdest Du das auch für Dich so attestieren? Und was beschäftigt dich generell abseits Deiner Musik derzeit besonders?

Christ Ian:
Da hast Du recht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen in Wave- und Gruftikreisen sehr empathisch und sensibel sind und ich würde mich auch so bezeichnen wollen. Was mich massiv beschäftigt, ist die Klimakrise und ihre Folgen, sowie das Erstarken der rechtsextremen Organisation AfD und der damit verbundene allgegenwärtige Hass, der Rassismus, der rechte Terror. Eigentlich hat die Menschheit ganz andere Probleme, nämlich die Bekämpfung des Klimawandels. Aber stattdessen erstarken überall die Nationalisten. Wir wissen doch, wozu Nationalismus führt. Offenbar ist die Menschheit nicht lernfähig, das macht mich traurig.

Otti:
Und im Kontrast dazu: Für welches Thema hast Du derzeit gar keinen Nerv mehr?

Christ Ian:
Ich hätte jetzt fast gesagt für den Brexit (lach)! Wobei das Thema nicht wirklich lustig ist. Nur ein weiteres Beispiel, wohin Nationalismus führen kann. Ansonsten habe ich keinen Nerv zu Grundsatzdiskussionen darüber, was Goth ist und was nicht. Ich bewege mich seit 1985 in solchen Kreisen und hab viel erlebt. Natürlich bin ich kein Fan von Gothic-Metal, Mittelaltermucke oder EBM/Industrial. Aber das muss ich ja auch nicht sein. Dennoch muss ich jedem zugestehen, diese Genres zu mögen und sie auch mit Goth in Verbindung zu bringen. Das ist doch echt kein Problem, da sollte man nicht an Dogmen festhalten. Alles entwickelt sich weiter und das finde ich gut.

Links:
leding.bandcamp.com
www.facebook.com/ledingband

Art des Interviews: Email
04.11.2019 by Otti

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