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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

WISBORG: Gut verpackte Emotionen

Im Underground der schwarzen Szene findet sich so manches Kleinod, welches bei entsprechendem Schliff schnell zum funkelnden Diamanten wachsen könnte. Wisborg sind so ein Rohdiamant - Das hannoveranische Duo hat im April diesen Jahres mit The Tragedy Of Seconds Gone ein beachtliches Debüt hingelegt und konnte auf Anhieb bei Fans und Kritikern punkten. Begeistert vom Erstling haben wir Konstantin und Nikolas zum Email-Interview geladen. Im folgenden erfahrt Ihr, wie die beiden ihr Projekt selbst sehen, an welchem Punkt Wisborg nun steht und auch ein wenig davon, wie die beiden Musikkünstler generell auf die Welt blicken.

Otti:
Fangen wir mal bei den Grundlagen an: Wer ist Wisborg, und wie habt Ihr euch kennengelernt?

Nikolas:
Wisborg ist das Projekt von Konstantin Michaely und mir. Wir haben uns beide schon viele Jahre vorher musikalisch in verschiedenen Genres und Zusammensetzungen ausgetobt, bis wir zueinander gefunden haben. Konstantin hat für eines seiner Solo-Projekte nach Live-Musikern in Hannover gesucht und ich bin dann bei ihm am Bass eingestiegen. Mit den Jahren sind wir beste Freunde geworden und haben dann Anfang 2017 beschlossen zu Zweit etwas völlig eigenes, von allem Vorherigen losgelöstes zu machen.

Wisborg
Wisborg - Pic by Laguz Photography

Otti:
Musikalisch seid Ihr im Bereich Dark Wave/Post Punk zuhause. Wie sieht denn Eure musikalische Sozialisierung aus, die Euch letztlich in diese Richtung geführt hat?

Nikolas:
Dass es letzten Endes in diese Richtung ging war mehr oder weniger ein eigenständiger, dynamischer Prozess. Als wir angefangen haben Songs zu schreiben hatten wir noch keine Vorstellung davon in welche Richtung es überhaupt gehen würde. Wir sind von den musikalischen Einflüssen beide recht weitläufig aufgestellt, wodurch der Stil von Wisborg dann der musikalischen Schnittmenge und der Arbeitsweise geschuldet ist.
Ich persönlich hatte und habe schon immer ein Fable für Industrial-Rock und experimentellen Kram im weitesten Sinne gehabt; Noise, Gitarren und verzerrte Synthesizer, da kann man mich eigentlich immer mit glücklich machen.

Konstantin:
Ich komme musikalisch eigentlich mehr aus der Doom-Metal-/Black-Metal-Ecke. Natürlich begleiten mich auch einige Bands aus dem Post-Punk-/Dark-Wave-Bereich schon länger, aber ich denke, dass gerade die szenefremden Einflüsse unserer Musik ganz gut tun was die Kreativität angeht.

Otti:
Welche Musiker, aber gerne auch andere Künstler und Menschen haben Euch besonders inspiriert?

Nikolas:
Konstantin inspiriert mich wohl jedes Mal auf´s Neue am meisten (lacht). Das hin- und herspielen von Ideen und Variationen treibt die Entwicklung eines Songs für mich am ehesten voran. Die Liste an externen Einflüssen ist wohl zu lang um sie aufzuzählen und offenbart sich mir oft erst im Nachhinein, wenn ich nach längerer Zeit mal wieder einen Song von uns höre.

Otti:
Im April ist Euer erstes Album The Tragedy Of Seconds Gone erschienen. Mit dem Abstand von mehr als einem halben Jahr, wie betrachtet ihr Euer erstes "Baby" jetzt?

Nikolas:
Gerade durch den Vergleich zu den Songs des neuen Albums, die wir erst kürzlich eingespielt haben, merke ich eine deutliche Entwicklung, die Konstantin und ich in der Zusammenarbeit gemacht haben. Das Songwriting und die Aufnahmen der Tragedy Of Seconds Gone waren noch unterwandert von vielen anderen Faktoren, wie Konzeption und Überlegungen darüber, was wir dann mit den Demos machen. Im Grunde sind wir ziemlich planlos, oder eher spontan an die Sache rangegangen. Dass wir überhaupt ins Studio gehen oder später bei Danse Macabre Records landen könnten, stand zum Zeitpunkt des Schreibens überhaupt nicht im Raum. Im Grunde stellt das Album dadurch für mich immer den rohen Grundbaustein dessen dar, was da in den nächsten Jahren noch kommen wird.

Otti:
Was waren denn die bewegendsten oder aber auch nervigsten Reaktionen, die es bisher auf das Album und Eure Musik gab?

Nikolas:
Das ist vielleicht nicht direkt eine Reaktion, aber ich kann mich noch genau daran erinnern, wie wir beim Konzert im Fundbureau in Hamburg mit She Past Away unsere erste CD verkauft haben. Das war ziemlich surreal, gerade weil die Phase in der Konstantin und ich die Demos im Wohnzimmer geschrieben hatten, noch nicht lange her war. Ich konnte gar nicht so richtig fassen, dass da auf einmal wirklich jemand dieses Album haben möchte (lacht).

Otti:
In meinen Augen (und vor allem Ohren ;)) gelingt es Euch auf dem Album wunderbar, auf dem schmalen Grat zwischen "klingt old school bzw vertraut" und "wow, so muss moderne Gothmusik klingen" zu balancieren. Wo seht ihr denn aber selbst noch Schwächen Eures Sounds, an denen ihr gerne arbeiten möchtet?

Nikolas:
Vielen Dank! Manches was mich am ersten Album noch etwas unbefriedigt gelassen hat, wurde jetzt beim Schreiben des zweiten Albums nachgeholt. Beim ersten Album mussten wir uns noch durch die Findungsphase kämpfen und uns auf die ungewohnte Arbeitsweise einstellen. Jetzt ist der Kopf freier um sich noch mehr dem eigentlichen Songwriting zu widmen und mehr auszuprobieren. Manchmal wirkt The Tragedy Of Seconds Gone noch recht undynamisch, was natürlich der Drummachine und dem mechanischen Bass-Sequencer geschuldet ist. Im besten Fall schaffen wir es zukünftig, etwas mehr Dynamik in den Sound zu bekommen.

Otti:
Ein sehr markanter Song ist definitiv Venus In Chains, bei dem auch Kiara Kazumi von Grausame Töchter mitwirkt. Was verbindet Euch denn mit Kiara, und wie hat sich diese spezielle Zusammenarbeit ergeben?

Konstantin:
Ich habe Kiara vor ein paar Jahren bei der Return of the Living Dead in Hamburg kennengelernt. Für Venus In Chains brauchten wir eine weibliche Stimme, deren Besitzerin kein Problem damit hat, in der Öffentlichkeit mit expliziter Sexualität in Verbindung gebracht zu werden.

Otti:
Eure Songs handeln nicht selten von Liebe und Lust, aber auch andere Themen wie der Tod finden ihren Ausdruck. Was sind denn generell die Inhalte, die ihr mit Wisborg vermitteln wollt, und wo zieht ihr da Grenzen?

Konstantin:
In erster Linie Emotionen. Unsere Texte beruhen in der Regel auf Dingen, die ich irgendwann erlebt oder gefühlt habe, allerdings werden diese meist stark abstrahiert und verallgemeinert. Die Grundstimmung steht im Vordergrund.

Otti:
Ganz allgemein gefragt: Welchen künstlerischen Anspruch habt ihr an Euch selbst?

Nikolas:
Alles was wir schreiben kommt erst mal ungefiltert aus uns selbst und wird dann verpackt. Dass die Art-Designs zum Konzept passen ist ein Teil davon, aber auch auf der Bühne man selbst zu sein. Manche Emotionen spüre ich nie so authentisch, wie wenn ich einen passenden Song oder bestimmten Part auf der Bühne spiele.

Konstantin:
Dass ich das Resultat auch gut finden würde, wenn ich nicht involviert wäre.

Otti:
Ich gehe mal davon aus, dass Euer Gesamtrepertoire sich nicht auf die neun Stücke von The Tragedy Of Seconds Gone beschränkt. Wo steht ihr denn gerade bezüglich weiteren Songwritings und der Entwicklung der Band?

Nikolas:
Wir waren im November wieder im Studio und haben unser zweites Album aufgenommen, welches gerade gemixt und gemastert wird. Nach der Arbeit am ersten Album war für uns klar, dass wir wieder zu Achim Dreßler ins Wellencocktail Tonstudio in Hannover gehen würden. Die Arbeit mit Achim ist unglaublich bereichernd und er schafft eine absolut entspannte, aber konstruktive Atmosphäre.

Otti:
Abseits der Musik, was sind Euch die wichtigsten Dinge im Leben?

Nikolas:
Innerer Frieden, das Wohlergehen der Freunde und viel rumzukommen.

Konstantin:
Freiheit.

Wisborg
Wisborg - Pic by Laguz Photography

Otti:
Ich weiß, dass ihr die gesellschaftliche Entwicklung durchaus auch kritisch betrachtet. Wo seht Ihr denn aktuell die größten Probleme in Deutschland?

Nikolas:
Vor allem in der sozialen Ungerechtigkeit. Im Vergleich mit einigen anderen europäischen Ländern schafft es Deutschland nicht, seine Politik auf das Wohl des Menschen im humanistischen Sinne auszurichten, worauf es am Ende jeder Legislaturperiode schließlich ankommen sollte. Der Geist des Kapitals benebelt die Köpfe einfach zu sehr.

Otti:
Wie wirkt sich das nationale und internationale Geschehen auf Wisborg als Band aus? Ein Beispiel für eine Veränderung, die wohl uns alle betreffen wird, ist der Brexit. Wie betrachtet ihr selbigen?

Nikolas:
Wir spielen einen Tag nachdem der Brexit in Kraft treten soll auf dem Darker Days Festival in Leicester und haben noch keine Ahnung, was da entsprechend auf uns zu kommt, das wäre ein recht lebhaftes Beispiel. Die Europäische Union ist eine der größten politischen Errungenschaften und trägt maßgeblich dazu bei, den Frieden stabil zu halten. Umso unverständlicher ist mir der Austritt Großbritanniens.

Otti:
Und wenn es einen großen Traum gäbe, den Ihr Euch hier und jetzt erfüllen könntet, was wäre das?

Nikolas:
Wir waren letztens mit Astari Nite aus den Staaten auf der Danse Macabre Tour unterwegs und haben uns in kurzer Zeit sehr gut mit ihnen angefreundet. Wenn es sich früher oder später ergeben würde, die Jungs zu besuchen und eine kleine Tour drüben zu spielen, wäre schon mal ein großer Traum in Erfüllung gegangen.

Links:
www.wisborg-band.com
facebook.com/wisborgband/

Art des Interviews: Email
21.12.2018 by Otti

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