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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

MELOTRON: Musikalische Feinkost

Seit vielen Jahren schon gehören Melotron zu den spannendsten Acts der deutschen Electro- und Synthpop-Community. Das Trio arbeitet bereits seit der Wende zusammen, hat viele Fans um sich geschart und überzeugt nicht zuletzt auch durch feinsinnigen Hunor und tiefgründige Lyrik. Mit ihrem aktuellsten Album Für alle hat die Band in diesem Sommer ein wirklich spannendes Werk vorgestellt, welches alle Stärken der Band aufgreift und neu in Szene setzt. Um etwas tiefer in das Album und die Welt von Melotron einzusteigen, haben wir mit einem der drei Herren - Edgar Slatnow - ein recht ausführliches Mail-Interview geführt, welches ihr im folgenden in voller Länge lesen könnt!

Otti:
Zunächst mal ganz allgemein gefragt: Wie ist die Stimmung derzeit im Hause Melotron?

Edgar:
Geschäftig. Nach dem Album ist vor dem Album. Und da das nächste nicht so lange auf sich warten lassen soll, sind wir schon wieder kreativ am Schaffen und die ersten Stücke des kommenden Albums nehmen auch schon langsam Gestalt an.

Otti:
Ein entscheidender Grund, warum ich dieses Interview mit Euch führen wollte, ist Euer neues Album Für alle. Erschienen ist es bereits Ende Juni, ihr konntet also alles schon ein wenig Sacken lassen. Wie blickt Ihr denn jetzt mit kleinem Abstand auf die LP?

Edgar:
Für Alle ist für uns immer noch ein ganz besonderes Album. Wir haben vieles anders gemacht. Deshalb war es auf der einen Seite eine sehr schöne, spannende Zeit mit einem völlig unklaren Ausgang und auf der anderen Seite aber auch eine sehr anstrengende Zeit, in der wir uns klar werden mussten, was wir wollen und wie wir es wollen. Wir haben viel ausprobiert, herumexperimentiert. Die "Experimente" diskutiert und uns dann entschieden. Die Entscheidungen wurden dabei meistens nicht dem Kopf, sondern mit dem Bauch getroffen, denn wir wollten ein Album so machen, wie wir es gut finden; ohne jeden Kompromiss.

Melotron - Für alle
"Wir wollten wieder etwas tun, woran wir Spaß haben."

Otti:
Und was waren bis dato die markantesten Reaktionen auf Für alle?

Edgar:
Zu Alles auf Anfang bekam ich ein sehr schönes, völlig unerwartetes Kompliment von einer sehr guten Freundin, die sich mit unserer Musik eher weniger befasst, als sie sagte: "Den Text könnte eine Frau geschrieben haben."
Die markanteste Reaktion allerdings die ich wahrgenommen habe, war die Erleichterung, als wir drei zusammen im Studio saßen und es gar nicht fassen konnten, dass dieses Album wirklich fertig ist. Das war eine super Gefühl und zugleich eine irritierendes. Für alle hat uns ja jetzt doch eine ganze Weile durch’s Leben begleitet und dann ist es plötzlich ganz ungewohnt, wenn da auf einmal etwas fehlt auf der "MussnocherledigtwerdenSeite". Wirklich wichtig waren uns die Reaktionen von anderen nicht, da das Album vor allem für uns selbst war. Wir wollten wieder etwas tun, woran wir Spaß haben. Es hat uns nicht interessiert, wie die Leute es vielleicht finden könnten oder sie sich ein Melotron Album vorstellen, sondern wie wir es gut finden. Aus diesem Grund heißt das Album auch paradoxer WeiseFür alle.
Wir müssen aber zugeben, dass wir im Vorfeld auch immer mal den einen oder anderen Song ein paar Leuten vorgestellt haben und deren Reaktion hat uns dann doch positiv überrascht und uns bestärkt so wie geplant weiter zu machen.

Otti:
Wer außer Euch als Band war denn an der Schöpfung des Albums maßgeblich beteiligt, und in welcher Form?

Edgar:
Das Leben. Wir haben viele Veränderungen vorgenommen, sowohl im musikalischen, wie auch im privaten Bereich. Wir haben uns neu aufgestellt und uns selbst in die Verantwortung genommen. Wie schon erwähnt, mussten wir unseren Spaß wiederfinden. Der war uns bei unseren letzten Alben immer mehr verloren gegangen. Zu diesem Verlust gesellte sich dann noch die Frage nach dem Sinn.
Wir haben uns in der Vergangenheit von immer mehr Leuten Ratschläge geben und uns reinreden lassen, wie unsere Musik sein sollte. Wir wurden beraten, wie wir auftreten sollten und was gut für uns wäre. Letztendlich haben wir uns immer mehr freiwillig einschränken lassen und gemacht, was andere von uns erwarteten. Dabei ist uns langsam die Lust an der Band verloren gegangen. Also haben wir drei uns zusammengehockt und überlegt, was los sei und wie wir das ändern könnten. Die Lösung klang erstmal ziemlich einfach. Alles auf Anfang; wir machen wieder alles selbst, so wie wir es für richtig halten.
Andy und ich haben uns zusammengehockt und uns mit Ideen "zugespamt". Wir mussten ein Gefühl dafür entwickeln, wie unser Album klingen sollte. Wir haben dafür Songideen aufgenommen und wieder verworfen, neu aufgenommen und weiter entwickelt. Als wir eines Tages zusammen hockten und wieder mal nicht weiter kamen, Andy sollte ein Stück einsingen und ich hatte das Gefühl, er hatte keine Lust darauf, kam er plötzlich mit der Grundidee von Alles auf Anfang um die Ecke. Ich hielt das für ein Ablenkungsmanöver und hatte keinen Bock drauf. Er nervte mich aber so sehr, dass ich schließlich einwilligte, mich mit dem Stück zu beschäftigen. Wir machten eine kurze Studiopause, in der wir ein paar lebensnotwendige Sachen besorgen wollten. Ich nutzte die Zeit, um mir Gedanken zu machen. Als wir nach knapp anderthalb Stunden zurück waren, stand der Text und zwei Stunden später, war alles eingesungen. Den Rest des Abends verwendeten wir darauf, uns den Song in einer Dauerschleife anzuhören und die lebensnotwendigen Sachen auszutrinken. Der Knoten war geplatzt.

Otti:
Was ich bei Euch stets geliebt habe, ist dieser schmale Grat zwischen Ernst und feinsinnigem Humor, der sich durch die Texte der mir bekannten Werke zieht. Auch auf Für alle findet sich dies in meinen Augen wieder – wie viel Spaß habt Ihr einfließen lassen und bei welchen Songs sollte man sich besser kein Augenzwinkern denken?

Edgar:
Ich werde jetzt nicht den Fehler machen und damit anfangen, zu erklären, wie man welchen Melotrontext verstehen soll oder muss. Die darf jeder so interpretieren, wie er möchte. Aber ich finde es klasse, dass Du unseren Humor für Dich zu schätzen weißt.
Während unserer Arbeit an Musikstücken gibt es immer was zu lachen, weil wir uns auf gar keinen Fall so Ernst nehmen, wie manche Stücke klingen. Die Ernsthaftigkeit ist dann eher als Provokation gedacht und wir sind immer mal wieder überrascht, was für Reaktionen der ein oder andere Text bei der Zuhörerschaft auslöst und wie ernst er genommen wird, obwohl wir dachten, die Ironie wäre offensichtlich. Davon abgesehen finde ich es aber toll, wenn Leute zu mir kommen und mir erzählen, wie sie einzelne Texte interpretieren, was sie sich dabei gedacht haben. Teilweise sind das großartige Geschichten. Amüsiert bin ich immer nur dann, wenn sie mich anschließend fragen, ob ihre Interpretation richtig ist. Ich erkläre den Leuten darauf, dass ich keine Texte schreiben will, die richtig oder falsch interpretiert werden können, sondern dass sich jeder seine eigenen Ideen daraus ziehen kann. Jemand sagte mal, Texte wären die Fotos einer Seele. Es gibt keine falschen Fotos, vielleicht unglückliche oder traurige, aktuelle, lustige oder schöne, aber keine falschen.

Otti:
Um jetzt natürlich auch nicht jeden Song in die Tiefe zu zerlegen, würde ich mich gerne auf einen fokussieren: Wo ist Dein Problem? fällt mir bei jedem Durchlauf des Albums besonders ins Ohr. Wie ist dieses Stück denn entstanden und wem ist es gewidmet?

Edgar:
Die Sonne scheint und der Himmel ist blau. Du entspannst dich, willst den Tag genießen, bist bereit, auch mal Fünfe gerade sein zu lassen und neben dir ist da jemand, der (Geschlecht egal :))die ganze Zeit über alles Mögliche meckert und sich auslässt, schlechte Laune verbreitet. Der die erste Frühlingssonne schon als zu heiß empfindet, sich provoziert fühlt, weil einer nicht schnell genug den Ampelbereich verlässt. Der sich erbittert streiten kann, ob es jetzt viertel vor oder doch dreiviertel heißt, ob Grün grün ist oder Blau blau, ob der Nachbar zu viel verdient und zu wenig arbeitet und so weiter und so fort. Irgendwann stellt man sich dann ganz automatisch diese eine Frage, die in der Umgangssprache lautet: "Wo ist Dein Problem?"
Das sind doch alles nur Vorwände, um darauf aufmerksam zu machen, dass es dir nicht gut geht. Dieser Song ist allen gewidmet, die es noch nicht geschafft haben, über ihre eigenen Probleme zu reden oder wenigstens nachzudenken, sondern stattdessen andere zu ihrem Problem machen.

Otti:
Allgemein betrachtet, wie lief das Songwriting bei Für alle ab? Und habt Ihr da irgendwas anders gemacht, als bei vorherigen Scheiben?

Edgar:
Jede Menge lief anders ab. Durch unseren Entschluss, alles selbst zu machen, gab es auch niemanden mehr, der sich mit einer mittelmäßigen Idee von uns auseinandersetzen musste, um daraus eventuell noch was halbwegs Brauchbares zu machen. Von daher war unser Anspruch an uns selbst von der Minute an, als uns klar war, wir werden das allein durchziehen, deutlich höher. Manche Stücke haben das zu spüren bekommen und haben uns, wie z.B. Willkommen oder Dein Glück während der ganzen Produktion begleitet. Letztgenanntes sollte zuerst deutlich schneller werden und bekam deshalb viele verschiedene Soundgewänder, die aber alle irgendwie nicht passten. Erst zum Ende der Albumproduktion entdeckten wir, wie uns dieses Stück wirklich gefiel. Und zwar immer, wenn wir nicht weiter wussten, spielte Andy es gefühlvoll nur mit einem Klavier. Zudem war uns die Soundauswahl sehr wichtig. Gute Sounds sind wie gute Zutaten beim Kochen (so Andy, wir beide sind leidenschaftliche Köche und haben deshalb auch schon das ein oder andere Stück in der Küche komponiert). Du kannst kein hochwertiges Gericht kochen mit minderwertigen Zutaten. Neue, frische Sounds bildeten unsere Grundzutaten, um in der Küchensprache zu bleiben und Hilde hat am Ende eines Kochganges dann die Feinabschmeckung vorgenommen.

Otti:
Und was war die größte Hürde, die ihr bewältigen musstet, um die LP zu schreiben, zu erstellen und auf den Markt zu bringen?

Edgar:
Die zeitliche und die räumliche Komponente haben uns vor die größten Herausforderungen gestellt. Früher haben wir alle dicht beieinander gewohnt und hatten jede Menge Zeit. Das hat sich geändert und wir mussten unsere Arbeitsweise anpassen. Junkie zum Beispiel ist größtenteils via Internetkonferenz entstanden. Das war eine völlig neue Erfahrung für uns.
Zudem arbeiten wir heute wesentlich konzentrierter an den Stücken. In mehreren ein- bis zweiwöchigen Studiosessions im Jahr produzierten wir die vorbereiteten Songs aus. Wobei sich Andy als großartiger Produzent entpuppte, der sehr aufmerksam und geduldig vorgetragene Ideen umsetzt und immer bereit ist, Neues auszuprobieren. Es war für uns beide ein sehr inspirierendes Arbeiten.

Otti:
Für mich persönlich seid Ihr eine Band, die mich mit einigen tollen Songs schon eine ganze Weile begleitet, mit der ich mich aber (zu meiner Schande) doch zu wenig beschäftigt habe. Das soll sich endlich ändern, daher würde ich gerne mal auf Melotron im Allgemeinen eingehen. So lese ich zum Beispiel auf Wikipedia, dass ihr Euch bereits 1991 gegründet haben sollt, mit Dein Meister aber 1998 erstmals eine Single veröffentlicht habt. Woher kam diese ungewöhnlich lange Phase zwischen Gründung und ersten Veröffentlichungen?

Edgar:
Das kann daran liegen, dass wir Mecklenburger sind und die Uhren in Mecklenburg bekanntlich etwas langsamer laufen. ;)
Oder es hat damit zu tun, dass wir zu der damaligen Zeit mit deutschsprachigem Gesang als Exoten unterwegs waren. Es wird behauptet, wir wären die Pioniere des deutschsprachigen Elektropop. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber was auf jeden Fall stimmt, ist, dass wir schon zur damaligen Zeit sehr wählerisch waren, was Plattenfirma anging. Wir bekamen gerade in der ersten Zeit vor allem Angebote von Plattenfirmen, bei denen wir uns nicht sicher waren, ob sie wirklich verstanden, was wir machten. Deshalb hat das mit der Veröffentlichung von Dein Meister auch etwas gedauert.
Jetzt im Nachhinein könnte man meinen, wir brauchen halt ab und zu etwas länger. Das muss ja nicht unbedingt schlecht sein. :)

Otti:
Was waren überhaupt damals die Beweggründe, gemeinsam eine Synth-/Electro-Combo zu gründen?

Edgar:
Mit 15/16 fingen wir an, Musik zu machen. Das war die Zeit direkt nach der Wende. Wir drei teilten die Begeisterung für elektronische Musik und als die Wende plötzlich die Preise für Synthesizer von 20000 Ostmark auf erschwingliche 2000 Westmark senkte, war für uns klar, dass wir uns statt eines Autos lieber Elektrogeräte kaufen wollten.
Zu der Zeit hingen wir häufig bei Music town, einem Musikfachgeschäft in Neubrandenburg, rum. Als die Inhaber ein größeres Gebäude bezogen, wollten sie das groß feiern. Sie fragten uns, ob wir nicht auftreten wollen, sie würden uns auch einen Proberaum zur Verfügung stellen. Andy sagte sofort ja, während Hilde und ich das für keine gute Idee hielten, da unsere zwischenmenschliche Beziehung eher suboptimal verlief. Aber letztendlich hat Andy uns beide überredet, es zu dritt als Band zu versuchen und so hatten wir dann unseren ersten Auftritt am 02. Juni 1991 in Neubrandenburg.

Otti:
Wer und was waren Eure Inspirationsquellen und Vorbilder?

Edgar:
Wir waren alle drei begeisterte Depeche Mode Fans. Als ich 1986 mit Black Celebration meine erste Kassette von DM bekam, war mir klar, was für Musik ich liebe. Die nächsten Jahre gehörten sehr intensiv Depeche Mode. 1990, mit dem Wegfall der Mauer eröffnete sich dann ein ganz neues Musikspektrum für mich und ich entdeckte viele neue elektronische Bands wie Frontline Assembly, Die Krupps, Laibach oder Leaether strip.
Heute höre ich neben der elektronischen Musik auch vieles andere. Es gibt viel zu viel gute Musik, als das ich mich nur noch auf eine Richtung einlassen könnte.

Otti:
Soweit ich weiß, seid Ihr noch in der "Urformation" zusammen. Wie habt Ihr es geschafft, "zusammen" zu bleiben, und was verbindet Euch abseits der Musik?

Edgar:
Das war ein langer Weg. Manchmal holprig und steinig. Manchmal erschien er uns als Sackgasse. Aber dann haben wir immer wieder entdeckt, dass wir das Gleiche wollen. Andy war zu der Zeit die treibende Kraft, die alles zusammengehalten hat. Wir haben viel miteinander geredet und dadurch auch Verständnis füreinander entwickelt.
Als wir die Band starteten, waren wir keine Freunde.
Wir waren drei Jungs mit völlig unterschiedlichen Charakteren, die zufällig alle einen Synthie besaßen, Musik machen wollten und sich entschieden haben, in der gleichen Band zu spielen. Unsere Interessen gingen damals wie heute neben der Musik weit auseinander. Irgendwann aber haben wir unsere verschiedenen Ansichten und Denkweisen als Chance begriffen und begonnen, sie zu nutzen. Wir haben begriffen, dass Kreativität mehr braucht als eine Meinung. Nach und nach hat sich dann aus dieser Zweckgemeinschaft Freundschaft entwickelt.
Heute bin ich der festen Überzeugung, dass wir ohne die jeweils anderen höchstwahrscheinlich völlig andere Menschen geworden wären. Man kann sagen, das Leben hat uns damals eine einmalige Chance bereitgestellt und wir waren schlau genug, sie zu ergreifen.

Otti:
Ihr seid jetzt nicht unbedingt eine Band, die als Headliner auf den großen Festivals fungiert, verfügt aber über viele treue Fans. Was seht Ihr bisher als größten Erfolg in der Geschichte von Melotron an?

Edgar:
Auch wenn die Antwort vielleicht enttäuscht, aber als größten Erfolg werten wir gerade, dass wir Für alle so raus gebracht haben, wie sie jetzt alle hören können.
Wenn du Konzerte in Erfolgen messen möchtest, dann ist es so, dass für uns eine gute Show darin besteht, dass das Publikum am Ende des Konzertes glücklich nach Hause geht und ein paar tolle Stunden hatte. Da spielt es keine Rolle, ob du in Moskau, Kabul, Buenos Aires, Berlin oder Torgelow spielst. Wenn du das Publikum "kriegst", dann ist immer der größte Erfolg für dieses Mal bis zum nächsten Mal.

Otti:
Während ich gerade dieses Interview erarbeite, ist die Räumung und bevorstehende Rodung des Hambacher Forstes in großes Thema. Was denkst Du darüber?

Edgar:
Ich denke, dass viel zu oft kurzfristige, wirtschaftliche Interessen über die Interessen für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Natur gestellt werden. Gerade Deutschland, eine der erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt, sollte sich zur Aufgabe machen, Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Umweltfreundlichkeit zu sein.
Auf der anderen Seite ist es nicht Sache der Industrie allein, die nebenbei bemerkt, auch nur aus Menschen besteht, sich für eine gesündere Umwelt einzusetzen. Jeder kann und sollte seinen Teil dazu beitragen. Der zweite Planet ist diesem Thema gewidmet. Ein Instrumentalstück, weil es keiner Worte mehr bedarf. Manchmal bin ich aber dennoch geschockt, wie gedankenlos mit den natürlichen Ressourcen umgegangen wird. Fast als hätten wir Menschen einen Reserveplaneten im Petto, auf den wir alle einfach umziehen, wenn es hier zu ungemütlich wird.

Otti:
Und was sind allgemein in Deinen Augen die großen Probleme der heutigen Zeit?

Edgar:
Neben der Umweltproblematik scheint die Menschheit in einer tiefen Sinnkrise zu stecken. Nachdem die meisten Ideologien mehr oder weniger abgewirtschaftet sind und eigentlich nur noch von Rattenfängern, wenn auch im Augenblick wieder erfolgreicher, benutzt werden, habe ich das Gefühl, dass viele Menschen immer noch danach suchen, worin der Sinn besteht, auf dieser Erde zu sein.
Dein Glück greift dieses Thema auf, da dieses Thema für mich sehr grundlegend ist und auch mit erklärt, weshalb es uns Dreien bei Melotron immer noch gut geht. Über die Jahre hat sich bei Andy, Hilde und mir die Einstellung verfestigt, dass unser großes, allem übergeordnetes Ziel nicht der Erfolg in Zahlen sein kann. Glücklich zu werden und zu sein erscheint uns ungemein wichtiger als alles andere und prägt viele unserer heutigen Entscheidungen. Das mag im ersten Moment profan klingen. Ist es aber nicht.
Denn Glück kann für jeden Menschen etwas anderes bedeuten und entscheidet sich allein im Kopf. Ähnlich wie bei gutem Sex, der nicht allein eine Sache zwischen einem, zwei, drei oder sonst wie vielen Körpern ist, erhält man wirkliche Befriedigung nur dann, wenn man auch im Kopf gef... und befriedigt wird.
Und solange unser Geist nicht befriedigt ist, wird sich auch kein wirkliches Glück und keine tiefgreifende Zufriedenheit einstellen, egal was wir tun, wie viel wir dafür bekommen oder wie erfolgreich wir zu sein scheinen.

Otti:
Livekonzerte Eurerseits sind eher eine Seltenheit, leider. Woran liegt das?

Edgar:
Unser Hauptaugenmerk liegt im Augenblick auf der Studioarbeit, weshalb die Konzerte ein wenig hinten an stehen. Dies wird sich aber auch wieder ändern, da der Spaß, auf einer Bühne zu stehen und die Liveatmosphäre und das Publikum zu spüren, einfach zu groß ist.

Otti:
Was war denn ein besonders skurriles Erlebnis, welches Ihr während oder im Rahmen eines Auftritts hattet?

Edgar:
Skurrile Dinge produziert auf der Bühne am liebsten Andy. In Rom hat er sich mal beim Aufdiebühnekommen den Kopf gestoßen und mit blutendem Schädel die Show absolviert. Er bekam zwischendrin immer wieder Handtücher gereicht und nach der Show sind wir dann ins Krankenhaus gefahren, wo die Wunde genäht werden musste.
Ein andermal war er plötzlich von der Bühne verschwunden, nur um kurze Zeit später mit schmerzverzerrtem Gesicht aus dem Fotograben wieder aufzutauchen, wohin er sich fallender Weise begeben hatte. Aber egal was auch passiert, die Show geht weiter und wer Lust auf etwas Besonderes hat, sollte einfach mal bei unseren Shows vorbeikommen. Irgendetwas (Nichteingeplantes) passiert immer. ;)

Otti:
Gehst Du selbst gerne auf Konzerte? Was war da ein besonderes Highlight?

Edgar:
So oft die Zeit es zulässt, besuche ich Konzerte querbeet. Dabei habe ich festgestellt, dass große Konzerte mich meist viel weniger beeindrucken als Konzerte sogenannter kleinerer Bands. Konzerte großer Bands sind meist komplett durchgestylt, geplant und umgesetzt. Das ist manchmal schon sehr beeindruckend. Aber für mich hat Musik auch immer etwas mit Anarchie zu tun; Spontaneität neben Professionalität auf der Bühne ausgelebt.
Kleine Bands sind meistens, schon aus der finanziellen Situation heraus, viel spontaner und freigeistiger auf der Bühne unterwegs, da sie sich so ein Komplettstyling (zum Glück) gar nicht leisten können. Es beeindruckt mich immer wieder auf’s Neue, wenn Bands und Musiker ungeplante Situationen zu ihrem Vorteil nutzen können. Stumpen von Knorkator ist ein beeindruckender Meister seines Fachs, genauso wie die Damen von Schnipo Schranke.
Ich selbst habe das Glück, in einer Band zu spielen, in der der Sänger gern spontan auf Situationen reagiert und damit immer noch für ein bisschen mehr Überraschung vor aber auch auf der Bühne sorgt. :)

Otti:
Und zum Abschluss mal ganz allgemein gefragt: Was bedeutet Euch Melotron heute, mit all den Erfahrungen die Ihr mit der Band gemacht habt?

Edgar:
Melotron ist für uns heute ein Lebensgefühl. Wir haben die Welt bereist, tolle Menschen und uns selbst kennengelernt. Sind ein wenig rücksichtsvoller und zufriedener geworden und arbeiten daran, dass das Glück als Grundbaustein unseres Lebens fortbesteht. Hinzu kommt, dass Melotron für uns so etwas wie eine Familie ist. Du bist ein Teil von ihr, egal was du tust. Und solange unsere Körper mitmachen, werden wir nicht aufhören, Musik zu machen. Dafür machen wir es einfach schon zu lange und es macht noch immer zu viel Spaß.

Mehr Infos zu Melotron:
www.melotron.com
facebook.com/Melotron.offiziell/

Art des Interviews: Email
19.10.2018 by Otti

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