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Interview (Humor)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

BERNHARD HOECKER: Metal, Werte und Pigmente

Er ist hochintelligent, sieht blendend aus und ist ein großartiger Entertainer. Das alleine wären schon genug Gründe, um ein Interview mit Bernhard Hoëcker zu führen. Abgesehen davon hat er aber auch einen exzellenten Musikgeschmack und ist seit vielen Jahren dem Heavy Metal verfallen. Und so begab es sich, dass ich mich am Nachmittag des 10. Septembers, wenige Stunden vor meiner diesjährigen Geburtstagsfeier, in einem äußerst amüsanten und interessanten Telefonat mit eben jenem Bernhard Hoëcker wiederfand. Wenn ihr wissen wollt, warum Bernhard nur selten auf Konzerte geht, welche Werte der moderne Ritter hinterfragen sollte und warum gurgelnde Bayern eine Pigmentstörung haben, dann solltet ihr Euch ein wenig Zeit nehmen und das folgende Gespräch aufmerksam lesen!

Otti:
Hallo Bernhard! Hauptthema des Interviews soll zunächst der Heavy Metal sein. Dass Du Metal-Fan bist, ist ja bekannt, daraus machst Du keinen Hehl.

Bernhard:
Ich gehe auch auf die Bühne und erfreue die Leute damit. In jedem Soloprogramm ist etwas mit Heavy Metal drin!

Otti:
Echt? Das wusste ich zum Beispiel noch nicht, ich habe bisher leider noch kein Soloprogramm von Dir gesehen.

Bernhard:
Ja, beim ersten Programm habe ich erzählt, wie ich dazu gekommen bin. Manchmal gibt es auch nur ein Lied in einer Metal-Variation.

Otti:
Auf Dein Programm kommen wir auf jeden Fall später auch noch einmal zu sprechen. Zunächst würde mich aber wirklich mal interessieren, wie Du zum Heavy Metal gekommen bist. Die meisten Menschen hören ja doch eher Mainstream-Mucke, und man hätte es bei Dir zunächst sicher auch nicht vermutet.

Bernhard:
Tatsächlich höre ich auch gerne immer mal wieder "klassische" Mainstream-Musik. Aber mit 17 oder 18 etwa habe ich damals das erste mal HELLOWEEN gehört, mit 18 bin ich dann an IRON MAIDEN gelangt und es hat mir schlicht und einfach gefallen. Dann bin ich dran geblieben. Und wenn man dann einmal drin ist, wechselt man von der einen zur anderen Band, bis man irgendwann seinen bevorzugten Stil gefunden hat.


"Ein Künstler, der nicht angesprochen werden will, hat einfach den falschen Beruf." (Pic by Guido Schröder)

Otti:
Kannst Du dich noch daran erinnern, wer Dir das erste Mal HELLOWEEN und IRON MAIDEN vorgespielt hat?

Bernhard:
Bei IRON MAIDEN war es meine Geburtstagsfeier. Die war so langweilig... Lustigerweise fällt mir gerade der Text meines ersten Programms ein: Die Party war so langweilig, dass ich der Musik zuhören musste! Und da lief IRON MAIDEN. Das hat mir total gut gefallen, ich fand es einfach super!

Otti:
Ich kenne das. Bei mir war es damals AC/DC, das hat mir ein Freund vorgespielt und ich dachte mir nur, was ist das denn geiles? Mittlerweile ist AC/DC bei mir nur noch eine Randerscheinung. Ich höre sie zwar gerne, aber wie Du schon sagst, man entwickelt sich einfach weiter.

Bernhard:
Diese ganzen Klassiker, wie AC/DC, DEEP PURPLE und so, da bin ich glaube ich zu jung für. Das habe ich damals nicht gehört. Bei mir ging es danach erst los. Auch METALLICA war nie so meins. Die Balladen waren immer schön, aber deren normale Musik hat mich nie so gepackt.

Otti:
Ich bin wiederum noch ein paar Jahre jünger als Du, und da ist es dann oft wieder so, dass man die Sachen cool findet, die davor schon fast "out" waren. Du hast schon gesagt, dass Du Dich weiterentwickelt und Deine eigenen Favoriten gefunden hast. Welche Stilrichtungen des Heavy Metal magst Du denn besonders?

Bernhard:
Also bei mir ist es die Melodic-Epic-Hollywood-Bombastic-Choir-Opera-Metal-Richtung. Zum Beispiel NIGHTWISH, RHAPSODY, aber auch ENSIFERUM, EQUILIBRIUM. Also alles, was so Pagan- und Viking-mäßig ist. Quasi "Wagner mit Strom".

Otti:
Also wo viel komponiert wird und viel Arbeit hinter steckt. Kommst Du denn auch mal dazu, Konzerte mitzunehmen?

Bernhard:
Leider kaum. Dafür gibt es zwei Gründe. Das eine ist, dass ich für Konzerte meistens keine Zeit habe, weil ich ja selber oft unterwegs und auf Tour bin. Und wenn ich dann mal abends frei habe, gleich wieder weg zu gehen und ein Konzert zu besuchen, das kann man dann mit dem Privatleben meist nicht so gut vereinbaren. Und zum anderen, wenn ich dann auf Konzerten bin, kann ich das auch nicht so richtig genießen, da man dann natürlich auch im Fokus steht. Da sind halt viele Leute, und jeder zweite kommt dann und sagt: "Hey geil, Du hörst auch so Musik? Ja super! Kann ich ein Foto machen?"
Ich weiß noch, das war mal bei einem NIGHTWISH-Konzert, da lief eine wunderschöne Ballade, und irgendwelche Jungs, die mit ihren Tränen emotional nicht zurecht kamen, wollten dann ein Foto mit mir machen. Wenn man dann da steht und die Musik genießen will, dann ist das schon...

Otti:
Sehr nervig. Ja, das kann ich mir vorstellen.

Bernhard:
Dann wird es sehr nervig, ja. Ich meine, im Grunde ist es okay. Es ist ja super, dass die Leute einen kennen. Aber auch wenn ich gerne auf Konzerte gehe, weiß ich, dass ich da sehr viel weniger Entspannung finde, und das nicht so problemlos genießen kann, wie andere Leute.

Otti:
Das kann ich mir vorstellen. Das erinnert mich daran, dass ich Dich auch mal von weitem auf einem Mittelaltermarkt gesehen habe. Und da, mit 2-3 Met intus, einfach zu Dir rennen und Dich dumm anzulabern, wäre nicht meine Art gewesen. Da kam mir seinerzeit schon die Idee für dieses Interview. Aber ich denke mir, gerade Metaller sind ja oft auf diesem "Ey Kumpel"-Trip.

Bernhard:
Das ist auch schön, ich find das nicht schlimm. Ich sag es mal so: Ein Künstler, der nicht angesprochen werden will, hat einfach den falschen Beruf. Das ist ja ein Teil davon. Ich kann nicht auf die Bühne gehen und im Fernsehen herum laufen, und mich dann beschweren, dass mich Leute erkennen. Dann mache ich irgendwas falsch. Das wäre wie ein Steuerberater, der sagt: "Ich mag nichts mit Zahlen zu tun haben!"
Insofern ist das völlig in Ordnung. Ich muss mir dann halt überlegen, ob ich das gerade machen möchte oder nicht. Ich suche mir die Konzerte halt bewusst aus, und die Bands die ich mag, müssen ja auch noch in meiner Nähe spielen. Bei EQUILIBRIUM hatte ich mal Glück. Genau als ich in Ludwigsburg gearbeitet habe, haben die abends in Ludwigsburg gespielt. Das habe ich dann natürlich super miteinander verbinden können.

Otti:
Mit VAN CANTO hast Du aber zum Beispiel mal zusammengearbeitet, stimmt´s?

Bernhard:
Ja genau! Das war bei einer Quatsch Comedy Club Gala, da wollten wir etwas besonderes machen. Da hatte ich die Idee, ein Weihnachtslied auf Metal zu machen. Da hieß es, das wäre total schwierig, weil man bei einer Metal-Band immer einen großen Soundcheck machen muss, das sei total aufwendig. Darauf meinte ich: "Ja, aber da gibt es eine Band, die macht das nur A Capella, das ist was besonders!" Da haben VAN CANTO mit in die Sendung genommen und wir haben zusammen einen Song performt. Und seitdem trifft man sich auch ab und an mal.

Otti:
Die sind ja auch total sympathisch.

Bernhard:
Total nette Typen, alle durch die Bank.

Otti:
Anderes Thema. Du hörst ja wie gesagt gerne diese Bombast-Musik und interessierst dich laut meinen Recherchen auch sehr für Fantasy, unter anderem auch für Game of Thrones, wo Du die Bücher wohl gelesen hast.

Bernhard:
Ich bin jetzt nicht der riesengroße Fantasy-Fan. Aber ich habe sowohl Der Herr der Ringe, als auch Harry Potter, als auch Game of Thrones - bzw Das Lied von Eis und Feuer, wie es ja eigentlich heißt - gelesen.

Otti:
Also die gängigen Sachen?

Bernhard:
Genau. Ich habe jetzt angefangen mit Das Rad der Zeit.

Otti:
Oh, geil, geil geil!

Bernhard:
Ich bin total gespannt. Ich bin auf Seite 3.

Otti:
Vom ersten Band?

Bernhard:
Vom ersten Band. Ich glaube, ich habe noch 14.000 Seiten vor mir.

Otti:
Ja, so ungefähr. Ich muss dazu sagen, ich habe die Reihe nie zuende geschafft und muss irgendwann nochmal von vorne anfangen. Den ersten Band habe ich damals, als er gerade rauskam, im Buchladen entdeckt, und war hin und weg. Mich hat nur genervt, dass der Robert Jordan nie ein Ende gefunden hat, und irgendwann ist er ja leider gestorben. Sein Schwiegersohn oder jemand aus der Familie hat das ja dann weitergeführt.

Bernhard:
Genau. Die Frau ist Lektorin gewesen, und er hat vorher auch irgendwelchen Leuten gesagt, wie es weitergehen soll und zusammen mit einem Autor macht sie das alles weiter.

Otti:
Aber das passt ja eben zu der Art Metal, die Du hörst. Da wird auch viel Fantasy und Mittelalter verarbeitet. Was fasziniert dich denn generell an solchen Geschichten? Also an Schwertern, Kriegen und diesen ganzen Sachen?

Bernhard:
Interessante Frage! Also was ich daran so spannend finde, ist zum Beispiel die Auseinandersetzung mit schlichten und primitiven Werten, wie Ehre und so etwas. In den meisten dieser Romane ist die Welt ja festgelegt, mit ganz vielen Regeln und Normen, und der Held ist dann meistens derjenige, der daraus ausbricht. Zum Beispiel in einem Mittelalterroman die Frau, die entgegen der damaligen, gesellschaftlichen Regeln Ärztin werden will.
Das ist etwas, was ich einfach mag. Wenn Menschen andere Wege gehen, als alle anderen drumherum. In Mittelalter- und Fantasygeschichten haben die Protagonisten immer irgendeine Art Bestimmung. Und das ist lustigerweise das, was ich so überhaupt nicht als philosophisches Konzept im Kopf habe. Ich glaube nicht an Schicksal, sondern daran, dass man immer die Möglichkeit hat, selber zu entscheiden.

Otti:
Deswegen sind auch meist die Geschichten besonders gut, in denen es eine Prophezeiung gibt, die nicht unbedingt erfüllt wird. Oder die so breit gefächert ist, dass sie auf viele Arten und Weisen ausgelegt werden kann.

Bernhard:
Ja genau. Wo man halt auch merkt, dass es nur eine Art Glaube ist. Sehr interessant fand ich zum Beispiel Die Tore der Welt von Ken Follett. Das ist sozusagen der zweite Teil von Die Säulen der Erde. Da bricht das Rittertum quasi zusammen, aufgrund der Pest und weiterer Faktoren. Da bricht ein Gesellschaftssystem durch äußere Rahmenbedingungen zusammen. Und als ich das gelesen habe, hatte ich das Gefühl, ein wenig zu verstehen, was in der arabischen Welt gerade passiert. Wenn diese klassischen Systeme wie das Patriarchat, in dem Frauen nix zu sagen haben, oder Hierarchien, Familenwerte, Ehre, wenn das zusammenbricht, weil sich die Dinge einfach ändern, neue Werte dazu kommen, oder Menschen einfach ihre eigenen Wege gehen können oder auch müssen. Oder die, die vorher Macht hatten, ihre eigene Macht verlieren, und wie sie damit umgehen. Da hatte ich das Gefühl, das mal zu spüren. Also nicht nur als Sachinformation zu lesen, sondern als emotionalen Moment wahrzunehmen.

Otti:
Halt auch als Gedankenspiel: Was könnte passieren, wenn sich nur kleine Dinge, auch in unserer Welt, einfach verändern.

Bernhard:
Es gibt ja drei Arten, Geschichte zu erleben und kennenzulernen. Das sind zum einen die reinen Fakten, man liest ein Geschichtsbuch. Man unterhält sich mit Leuten darüber, die einem was erzählen. Oder drittens, man hat einen Roman. In der Fantasy ist das natürlich immer ein bisschen erweitert. Bei Game of Thrones, oder, weil es um Literatur geht, spreche ich lieber von Das Lied von Eis und Feuer, ist es diese unfassbar komplexe Welt mit den verschiedenen Religionen, und was passiert, wenn diese aufeinander stoßen. Das ist spannend erzählt und zeigt so unfassbar viele Parallelen zur Realität.
Ich gerate gerade ins Philosophieren, aber ich mag es, wenn man hinterfragt: Welchen Wert haben Werte? Gerade da die in den Büchern ja oft sehr plakativ und deutlich dargestellt werden, für uns Außenstehende aber auch oft falsch oder übertrieben wirken, und man sich selbst dann fragen muss: Lebe ich auch in einer Welt mit Werten, die falsch und übertrieben sind? Also was ist für mich heute jenes Patriarchat, in dem sich der mittelalterliche Ritter gegen seine Ehre wehrt, oder aber auch mit dieser lebt. Gibt es für mich auch so einen Codex, gegen den ich mich eigentlich wehren müsste, oder könnte? Der mich die ganze Zeit einschränkt?

Otti:
Und auch fremdsteuert irgendwo. Die Leute in diesen Geschichten werden ja oft von den Umständen getrieben und müssen dann Entscheidungen fällen, die wir in dem Moment vielleicht auch gar nicht nachvollziehen können.

Bernhard:
Genau. Aber im Roman bekommt man halt die Sachen erklärt. Wenn man die Welt erklärt bekommt, versteht man, warum die so handeln. Und erkennt das Problem, warum die nicht über ihren Schatten springen. Was ist denn mein Schatten, über den ich nicht springen kann, in meiner Welt? Das ist unfassbar spannend. Also was würde in einem Mittelalterroman stehen, der in 800 Jahren über die jetztige Zeit geschrieben wird?

Otti:
Das wäre interessant. Das könnte man als Buch ja vielleicht mal angehen.

Bernhard:
Man müsste quasi... Man schreibt in der Zeit... Boah, das ist aber komplex.

Otti:
Das Schwierige daran ist natürlich, dass wir nicht sehen können: Wie sieht diese Zeit aus? Wir haben natürlich Vorstellungen, auch aus Science Fiction-Romanen, aber wir können uns nur in eine fiktive Zukunft reindenken. Geschichte ist ja rückwirkend betrachtet, und da sieht man die Dinge so, wie man sie jetzt im Moment sieht. Ich bin da gerade auch bei technischen Entwicklungen. Natürlich haben wir uns vor 20-30 Jahren schon bestimmte Handys vorgestellt, weil wir die Kommunikatoren bei Star Trek kannten. Aber wir wussten natürlich nicht: Wie sehen die genau aus, wie werden sie verwendet. Oft wird sowas ja auch durch die Literatur und die Filme inspiriert, was letztlich umgesetzt wird.

Bernhard:
Da gibt es ein interessantes Phänomen bei Siemens, also warum deren Handys sich nicht durchgesetzt haben: Die haben keine Klapp-Handys gehabt. Die hatten solche Hochschiebe-Handys, was natürlich viel sinnvoller ist, weil die Klapp-Handys umständlich und fehleranfällig sind und viel leichter kaputt gehen. Aber die Leute fanden es geil. Und ich glaube, das hängt mit den Kommunikatoren von Star Trek zusammen.

Otti:
Und mit der lässigen Bewegung beim Aufklappen.
Jetzt zu etwas ganz anderem, was dann wieder mit Musik zu tun hat. Mittelalter und Fantasy ist für mich auch mit Klängen verbunden, und ich habe irgendwo gelesen, dass Du, wie ich, das Cembalo sehr magst. Ich bin ein Riesenfan dieses Instruments, kenne aber nicht viele Leute, denen es auch so geht. Wie würdest Du mit Deinen eigenen Worten beschreiben, was das Besondere daran ist?

Bernhard:
Spannende Frage. Das ist für mich eine gemütliche Musik, die in einer Kirche spielt. Ich habe dieses Bild vor Augen, dass das Cembalo in einem kleinen Erker steht, in dem die Sonne hinein scheint. Soweit ich weiß, kann man auch gar nicht dynamisch spielen beim Cembalo, weil es immer nur eine Spannung hat, die dann aufgelöst würd, und die dann zum Ton führt.

Otti:
Dann hat man dieses Fließende, was schon fast ein bisschen wie das Meer klingt. Wellenartig, beruhigend irgendwie.

Bernhard:
Beim Cembalo denke ich auch immer an einen bestimmten Rhapsody-Song. Oder war es von Luca Toni´s Rhapsody? Das fängt mit nem Cembalo an.

Otti:
Das kann gut sein. Ich habe die Alben alle irgendwo rumfliegen, aber ich kenne sie jetzt nicht auswendig, ehrlich gesagt. Man bekommt die Sachen ja immer zum rezensieren, ich habe den Split seinerzeit überrascht mitbekommen, aber das sind so Sachen, da stecke ich dann auch nur bedingt drin.

Bernhard:
Ich bin auch immer ganz überrascht, wenn da plötzlich ne neue Platte kommt. Die hole ich mir dann sofort. Momentan immer bei iTunes im Abo.

Otti:
Bei iTunes im Abo? Das gibt es?

Bernhard:
Jaja, das ist so wie Spotify, halt nur bei iTunes Music.

Otti:
Ah okay. Aber nicht so nach dem Motto: Ich nehme die und die Band, oder die und die Musikrichtung, und bekomme das dann immer automatisch?

Bernhard:
Man bekommt dann halt ne Info geschickt, wenn es was Neues gibt. Es gibt zum Beispiel eine neue SABATON, die habe ich mir noch nicht angehört, das muss ich noch machen. Ich habe festgestellt, dass ich CDs irgendwie nicht mehr höre, die liegen nur rum bei mir.

Otti:
Wobei das natürlich auch ein spannendes Thema ist, über das sich Musikfans immer wieder gerne unterhalten. Ich zum Beispiel habe eine riesige CD-Sammlung und ich freue mich dann auch, wenn ich eine CD bekomme, einfach um dieses haptische zu haben. Natürlich wandele ich die CDs dann in MP3s um, weil das praktischer ist. Aber findest Du nicht, dass uns da was verloren geht? Erst der Schritt von der Schallplatte zur CD, und jetzt zum rein Digitalen?

Bernhard:
Überhaupt nicht. Solange klanglich nichts verloren geht, ist es total egal, ob ich das jetzt digital auf einer CD habe, oder digital auf meinem MP3-Player. Wenn die Frequenz hoch genug ist, dann ist das völlig in Ordnung. Junge Leute vermissen ja auch nicht die Schallplatte oder die Kassette. und wir vermissen ja auch nicht Schellack.

Otti:
Natürlich nicht. Aber viele kommen halt mit den Argumenten wie Cover, Booklet und so weiter. Das gibt es ja heute nicht mehr. Die Leute konsumieren Musik viel schneller und beschäftigen sich weniger damit. Darauf will ich eigentlich hinaus.

Bernhard:
Was stimmt, ist natürlich: So ein Cover auf einer LP ist größer, da habe ich ein Bild. Aber in den meisten Fällen kann ich mir das auch in HD ausdrucken, wenn ich es unbedingt haben will und es mir gefällt. Ich habe aber nicht auch noch die Cover herumstehen, die mir nicht gefallen. Ich kenne wenige Leute, die ihre Schallplatten so hinstellen, dass man das Cover sehen kann.
Ich glaube, was dahinter steckt, ist das ganz Klassische, das Nostalgische. "So war das früher." Man erinnert sich weniger daran, dass die Platte wirklich besser ist. Sondern die Zeit, in der man Platten gehört hat, die ist mit ganz vielen schönen Emotionen verbunden. Da war man jung, hat verrückte Sachen gemacht, da ist man erwachsen geworden. Man hat nicht soviel über sein Jetzt nachdenken müssen. Man hat keine Lebensversicherung abgeschlossen, musste nicht überlegen, ob Privat oder Kasse... Das ist alles total wurscht gewesen damals. Da ging es nur darum: Mag mich das Mädel da hinten? Komme ich in die nächste Stufe? Und warum hat der Klaus schon ein Auto und ich nicht? Das waren so die Zeiten, und das ist es glaube ich, was man damit verbindet, wenn man sagt, das fand man besser. Wenn ich an Platten denke, denke ich nicht an Tonqualität und dass es eher analog als digital ist. Sondern ich denke einfach daran, wie wir da zusammen gesessen haben. Wir haben uns Platten angeguckt, und haben die mitgenommen. Und man sprach darüber. Und dann gab es die Disco, wo man die Platte umgedreht hat. Aber das beschreibt nur die Zeit drumherum und nicht die Qualität der Musik.

Otti:
Wobei ich auch sagen muss, zumindest aus Musikliebhaber-Sicht habe ich mich damals ganz anders mit Musik beschäftigt. Also ich habe da ein Album dann auch wirklich ein paar Tage lang rauf und runter gehört.

Bernhard:
Ja das stimmt. Aber das mache ich heute auch noch. Dann habe ich das im Auto und höre es 2-3 mal hintereinander. Auch immer wieder das gleiche Lied. Man hat sich ja total gefreut, als es die ersten Schallplatten gab, die auf Endlos laufen konnten. Oder Kassetten, da hat man das dann zurückgespult und nochmal gestartet. Oder die ersten A-D-Wiederholungen bei CDs.

Otti:
Gut, Vergangenheit ist Vergangenheit. Kommen wir nochmal zur Gegenwart. Generell war noch ein Aufhänger, der mich auf die Idee zu diesem Interview brachte, dass ich ein großer Fan von Wer weiß denn sowas? bin. Was macht für Dich das Format besonders reizvoll?

Bernhard:
Es ist die Kombination aus dem reinen Quiz, um zu wissen, wer gewinnt und dass die Art der Fragen einfach ungewöhnlich ist. Es kommt halt nicht "Wie hieß der erste Bundeskanzler?", "Wie hieß der zweite Bundeskanzler?", sondern: "Was war das Besondere, was hat Adenauer noch erfunden?" Solche ganz anderen Arten von Fragen.

Otti:
Man merkt als Außenstehender auch, das Team scheint gut zu harmonieren, also Kai, Elton und Du.

Bernhard:
Ja, es hat ein bißchen gebraucht, bis man sich quasi gefunden hat, aber jetzt hat da jeder so sein Ding, wo man dann sagt, das ist es halt.

Otti:
Das führt mich zu der Frage, wie Humor eigentlich funktioniert. Und zwar macht ihr natürlich auch manchmal sehr stereotypische Witze. Bei Kai sind es die Ossi-Witze, bei dir Kleine-Leute-Witze, Elton ist immer irgendwie der Dicke und so. Warum funktioniert sowas auch heute noch und immer wieder, was meinst Du?

Bernhard:
Weil das die Ursprungs-Gedanken und -Gefühle von Leuten anspricht. Größe ist eine Äußerlichkeit. Dass Kai aus dem Osten kommt ist so ein Regional-Ding. Also wenn ich auf Tour bin und mache Witze über die Bayern, wenn ich im Norden bin und über die Nordmenschen in Bayern, das funktioniert einfach immer.


"Welchen Wert haben Werte?" (Pic by Tobias Zimmermann)

Otti:
Funktioniert es denn auch, wenn Du in einer Region bist und über die Leute dort Witze machst, oder reagieren die dann anders?

Bernhard:
Das funktioniert immer. Also wenn ich in Bayern bin und die Leute auf die Eigenarten ihres Dialekts anspreche, dass die zum Beispiel so komisch gurgeln im Hals, dann ist das schon lustig. Keine Ahnung warum. Es ist im Prinzip dasselbe, wie ein Witz über Griechen, oder über Türken, oder über Russen, oder über Amerikaner, nur im kleineren Maßsstab. Aber es ist dasselbe Konzept.
Wenn ich etwas über die Leute sage und alle lachen, dann bindet dies das Publikum natürlich zusammen. Entweder schließen sie sich zusammen, weil sie gerade "Opfer" meines Witzes sind, oder aber sie lachen gemeinsam, wie man halt über Dritte lacht, die dann wo ganz anders herkommen.

Otti:
Hast Du auch schonmal eine Situation erlebt, dass sich da jemand wirklich angegriffen gefühlt hat?

Bernhard:
Klar. Es gibt in meinem Programm eine Situation, da rede ich über Jesus, und darüber, dass die Leute in Deutschland da verschieden drüber lachen: In Bayern ist es schwierig, im Rheinland sehr viel und im Osten erkläre ich, von wem ich rede. Das ist halt immer ein Lacher, aber letztens kam eine Frau auf mich zu und meinte, sie fände das nicht gut. Und sie könne es echt nicht mehr hören.

Otti:
Weil sie vielleicht dann doch sehr gläubig war...

Bernhard:
Ich habe keine Ahnung, was das war. Ich meine, die Bayern müssen sich andauernd anhören, dass sie kein Hochdeutsch können und sie scheinen damit leben zu können. Aber ich kann natürlich auch verstehen, dass man zum Beispiel als Schweizer keinen Bock hat, immer auf Käse und Langsamkeit reduziert zu werden, und die Holländer keine Lust haben, immer nur als Wohnwagenfahrer bezeichnet zu werden.

Otti:
Klar, irgendwann ist es auch ausgelutscht. Ich meine, die blonden Menschen wissen halt auch, wie es ist, immer als dummes Blondchen abgestempelt zu werden, aber auf der anderen Seite wird man es wohl nie aus den Köpfen raus kriegen. Ich mach zum Beispiel am liebsten Witze über Bayern und Ossis, denn ich bin nichts von beidem, aber dort leben viele meiner liebsten Freunde. Und gerade weil ich die so gerne habe, mache ich auch Witze über sie.

Bernhard:
Genau! Leute über die man lacht, sind eigentlich die, wo es einem am wenigsten ausmacht, weil man sie mag.

Otti:
Eben. Und man muss dann natürlich auch einstecken können. Man muss über sich selbst lachen können.

Bernhard:
Richtig. Man muss damit leben, dass man selber auch etwas abbekommt. Genau.

Otti:
Um das gerade nochmal klarzustellen, wir reden gerade über dein aktuelles Programm So liegen sie richtig falsch.

Bernhard:
Ja, damit bin ich gerade unterwegs, und da geht es auch teilweise um diese Regionalthemen.

Otti:
Wo wir gerade über den Osten geredet haben... Ich weiß, dass Dich das Flüchtlingsthema interessiert, und gerade sind die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern gelaufen. Ich habe Deinen Auftritt in der NDR-Talkshow gesehen, in dem Du diesen sehr treffenden Vergleich zum Thema Flüchtlinge vorgetragen hast. Jetzt hat die AfD in Mecklenburg-Vorpommern 20% erreicht, in einem Bundesland, in dem der Ausländeranteil noch deutlich geringer ist, als in deinem Beispiel. Wie kommt das für dich zusamen? Ich meine, wie kann es sein, dass die Menschen so verängstigt sind, und sich von dieser Partei ködern lassen?

Bernhard:
Weil Angst genau so funktioniert. Man hat Angst vor dem Unbekannten. Wenn die nicht da sind, hat man halt Angst, weil man denkt, dass eine Bedrohung kommt. Die Leute haben eine grundsätzliche Angst vor dem Neuen, und wünschen sich das Alte, denn damit fühlen sie sich wohl. Zumindest die meisten. Das ist ja wie mit unseren Mittelalterromanen, über die wir eben geredet haben. Die Probleme tauchen immer auf, wenn man etwas anderes, was neues macht.

Otti:
Der Status Quo ist einfach, logisch.

Bernhard:
Es ist ja ganz einfach so. Es haben die am meisten Angst, wo die wenigsten Ausländer sind. Das ist eine grundsätzliche Angst vor dem Fremden. Es haben auch meist nicht die Angst, denen es richtig schlecht geht und auch nicht diejenigen, denen es richtig gut geht. Sondern es haben die Angst, die an der Schwelle sind, etwas zu verlieren.

Otti:
Oder die es sich zumindest einbilden.

Bernhard:
Genau, rein subjektiv. Ob es real ist und stimmt, ist egal. Es geht um rein subjektive Gefühle, etwas zu verlieren, oder weniger zu haben.

Otti:
Das bringt mich gerade tatsächlich auf einen weiteren Vergleich zur Fantasy-Literatur. Ich muss da ans Auenland denken und die dort lebenden Hobbits, bei denen alles so ist, wie es immer war. Und wo dann plötzlich das böse Mordor als Bedrohung auftritt. Das ist eigentlich sehr ähnlich, oder?

Bernhard:
Sehr ähnlich, wobei da das Fremde natürlich wirklich das Böse ist. Aber zum Beispiel Bilbo, der woanders hin gereist ist und andere Sachen kennt, ist für die anderen Hobbits irritierend und hat bei diesen auch immer etwas Angst geschürt.

Otti:
Sprichst Du sowas denn auch konkret im Programm an? Du bist ja aktuell wieder auf Tour, und wenn dann gerade so eine Wahl stattgefunden hat, nimmst Du das direkt ins Programm mit auf?

Bernhard:
Ein bisschen schon. Ich erzähle zum Beispiel über bestimmte Eigenarten, die wir haben, zum Beispiel, dass wir sehr gut Muster erkennen können. Das haben wir unseren Vorfahren zu verdanken und ich meine damit die Afrikaner. Wir kommen ja alle aus Afrika. Das sage ich dann auch so: Wir sind alles Schwarze mit einer Pigmentstörung. Das ist halt in Mecklenburg-Vorpommern schwierig zu erzählen.
Was man leider vergisst, das finde ich so schade... Man tut halt immer so, als wären die ganzen Mecklenburg-Vorpommerer AfD-Wähler. Aber 80% von denen finden die AfD ja doof und haben die nicht gewählt.

Otti:
Ja gut, das heißt aber nicht, dass sie die doof finden.

Bernhard:
Sie haben die zumindest nicht gewählt, sondern andere Parteien.

Otti:
Oder sich gar nicht damit beschäftigt. Sowas kommt ja auch oft vor.

Bernhard:
Genau. 20% sind natürlich viel, aber es bleibt immer das Bild, als sei das ganze Land so. Und das ist natürlich auch nicht ganz fair, denen gegenüber. Da muss man auch aufpassen, dass man mit den Gags, die vor einem liegen, nicht gleich eine ganze Region diskriminiert. Ich rede in meinem Programm auch über so Dinge, dass wir alle eine geschickte Strategie verfolgen. Zum Beispiel geht man auf öffentlichen Toiletten immer auf die hinterste, weil man meint, da geht keiner hin. Das macht aber jeder, und deshalb ist das die meistbenutzte Toilette. Das ist das gleiche, wie wenn man "Protest" wählt. Alle denken, "ich wähl mal Protest, kann ja nix passieren", und auf einmal hat man so einen braunen Haufen im Parlament. Als ich das nach der Wahl in Baden-Württemberg erzählt hab, gab das irgendwie wenige Lacher.

Otti:
Es ist ja auch ein schwieriges Thema. Ich will ja auch nicht sagen, dass jeder, der die AfD wählt, oder der generell in die Richtung wählt, gleich ein Nazi ist, oder total rechts...

Bernhard:
Nee, aber der hat einfach nicht nachgedacht.

Website:
www.bernhard-hoecker.de

Art des Interviews: Telefon
29.09.2016 by Otti

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