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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Corvus Corax: Zwergische Aussichten

Gut Ding will Weile haben... Das folgende wunderschöne Interview durfte ich mit Castus von Corvus Corax auf dem diesjährigen Burgfolk 2010 führen... Die Nachbearbeitung hat aber Aufgrund einiger Stressfaktoren etwas länger gedauert. Dankenswerterweise hat Nicole sich jetzt die Mühe gemacht und das Ganze für mich abgetippt, damit wir euch diese Zeilen noch relativ zeitnah präsentieren können, schliesslich ging es uns vor allem um die Die Zwerge Live-Tour, die bereits in vollem Gange ist und von er ich euch auch schon berichtet habe.
Ursprünglich war der Termin von Castus und mir nach dem Gig am Freitag Abend geplant, wir haben das aber kurzerhand auf den Nachmittag vorverlegt. Wundert euch also nicht, dass wir zu Beginn etwas wirres Zeug erzählen. ;)

Otti:
Wir sind jetzt hier aufm Burgfolk. Eigentlich wollte ich dich als Erstes fragen, wie das Konzert war, aber das können wir ja erstmal vergessen.

Castus:
Es wird großartig gewesen sein!

Otti:
Es wird großartig gewesen sein? Meinst du? Das heißt, ich darf mich darauf gefreut haben?

Castus:
Ja. Auch wenn das Wetter nicht so herrlich ist, aber nachher wird es besser gewesen sein. Das machen wir jetzt aber nicht die ganze Zeit so, oder? Das ist interessant, aber auch ganz schön anstrengend.

Otti:
Nein, Quatsch. Also wir sitzen ja jetzt hier auf dem Burgfolk. Ich hab gehört, ihr habt so ein bisschen Anreiseprobleme gehabt, meinte Teufel.

Castus:
Na wir sind ja mit zwei Bussen gekommen und wir hatten halt Stau. Die A2 ist ja die beschissenste Autobahn in Deutschland, glaube ich. Und da wurde dann gebaut und die Spuren von dreispurig auf zweispurig und danach auf einspurig verengt und da ist natürlich klar, an einem Freitag, dass sich da Stau ergibt. Unser Navi hat uns auch geraten das zu umfahren, aber es war ja nicht nur an einer Stelle. Eigentlich eine Katastrophe, aber wir machen uns das ja immer schön gemütlich im Bus.

Otti:
Also eigentlich würde ich sehr gerne über Die Zwerge mit dir reden. Wir hatten ja im letzten Jahr schon ein Interview zu Corvus Corax, Die Zwerge ist ja jetzt ganz aktuell. Im Herbst findet die Tour statt. Mal ganz kurz aus deiner Sicht - Wie ist das Projekt entstanden und wie seid ihr dazu gekommen?

Castus:
Also es ist ja so, dass Markus Heitz das Buch Die Zwerge geschrieben hat. Dann hat der Schauspieler Johannes Steck das Hörbuch dazu eingesprochen. Der hat dann auch Musik dazu genommen und uns gefragt, ob wir einverstanden wären, wenn er unsere Musik dafür hernimmt. Letztlich war es auch seine Idee das live mit unserer Musik auf die Bühne zu bringen. Dazu mussten eben auch neue Stücke geschrieben werden oder eben aus unserem Repertoire Stücke ausgesucht. Das Ganze hat Johannes dann mit Markus Heitz besprochen und der fand die Idee gut, war aber der Meinung, dass wir sicher keine Lust und Zeit dazu hätten, aber er würde sich freuen, denn er habe zu der Zeit, als das Buch Die Zwerge entstanden ist, die Musik von Corvus Corax gehört, wir haben ihn quasi inspiriert. Johannes Steck hat uns dann geschrieben und wir haben uns in Berlin getroffen. So ist die ganze Sache dann geboren, denn wir hatten natürlich Bock drauf. Als erstes haben wir dann natürlich eine CD dazu aufgenommen, damit die Besucher - wenn sie das möchten - auch etwas mit nach Hause nehmen können. Das Hörbuch ist ja nun doch schon etwas länger und so haben wir die Live-Version mit etwa zweieinhalb Stunden zusammen eingespielt. Wir waren da mit dem Johannes und auch einem Regisseur im Studio und ich finde, das ist großartig geworden. Damit sind wir dann in München auf die Bühne gegangen, was ein großer Erfolg war. Und nachdem viele Anfragen kamen, ob wir damit auch mal in andere Gegenden kommen, haben wir beschlossen das auch deutschlandweit aufzuführen. Das haben wir dann zusammen mit Manfred Hertlein geplant und der hat uns eine kleine Tour organisiert in Zirkuszelten oder Theatern und nun freuen wir uns auf den Oktober.


"Wir hatten natürlich Bock drauf."

Otti:
Wobei Zirkuszelte ... die Clubs oder Theater sind ja zum Teil doch schon recht große Locations und in Düsseldorf z.B. habt ihr gleich drei Termine.

Castus:
In Düsseldorf ist ein Theater, richtig? Ich hab das nicht alles genau im Kopf. Aber ich hoffe natürlich, dass das Interesse auch groß sein wird. Darum sind wir ja auch auf ein bisschen Werbung angewiesen, damit die Leute überhaupt mitbekommen, dass Markus Heitz live aufgeführt wird. Markus Heitz ist ja schon ein bekannter Autor, Die Zwerge haben sich über eine Million Mal verkauft. Wenn die Leute erfahren, dass es eine Live-Show gibt, denke ich schon, dass das Interesse da ist und das Publikum kommt.

Otti:
Habt ihr zu Markus Heitz dann jetzt auch Kontakt?

Castus:
Ja, haben wir. Er war in München bei der Premiere auch dabei und wir hatten ihn auch vorher schon mal kennen gelernt. Dabei hatte er uns erzählt, dass er beim Schreiben auch unsere Musik gehört hat. Es war dann letztlich auch gleich Sympathie auf beiden Seiten und so haben wir abends bei der Premierenfeier noch zusammen gesessen und uns darüber unterhalten, was man vielleicht noch zusammen machen kann. Da möchte ich natürlich bisher noch nicht zuviel verraten, aber wir werden sicherlich mal eine Party zusammen machen. Und auch wenn es noch eine Weile dauern kann, werden wir bestimmt auch noch anderweitig etwas zusammen machen. Da muss man mal schauen, was da möglich ist, aber er hat sich in jedem Fall über die Geschichte jetzt sehr gefreut, dass Johannes Steck das als genialer Schauspieler so auf die Bühne bringt. Denn Johannes spielt ja dabei bestimmt 20 verschiedene Charaktere - er spielt die Orks, die Oger, die Zwerge. Wir machen die Musik dazu, er spricht uns zwar wie Figuren an, aber wir selbst spielen ja gar nicht.

Otti:
Das heißt ihr macht im Endeffekt auch das Bühnenbild?

Castus:
Ja, wir machen den Soundtrack und stehen quasi als Statisten zur Verfügung.

Otti:
Wir haben im vergangenen Jahr Johannes Steck auch interviewt. Wie würdest du ihn aus deiner Sicht als Mensch beschreiben?

Castus:
Sehr angenehm. Er ist sehr frisch, was diese Sache angeht, denn er ist ja Fernseh- und Bühnenschauspieler und macht Lesungen, aber in dieser Form hat er ja auch noch nichts gemacht. Es macht ihn dabei natürlich sehr sympathisch, dass er auch sehr aufgeregt war, aber höchst professionell. Ich mag seine Stimme sehr und es ist natürlich auch wichtig, dass so ein verrückter Schauspieler das dann auch mit Herzblut macht. Es lohnt sich eben hinzukommen, weil Johannes wirklich irre ist. Der hat nicht alle Latten am Zaun! *lacht* Das merkt man dann auch.

Otti:
Ich will ja auf jeden Fall eine Show ansehen. Die Musikstücke zu Die Zwerge - wie sind die entstanden? Ihr erarbeitet ja sonst meist historische Stücke, wie sind diese Nummern entstanden? Es werden ja sicher auch selbst erdachte Stücke dabei sein.

Castus:
Es gibt ein paar Nummern, die sind aus dem Corvus Corax Repertoire, aber zum Beispiel Hymnus Nanus ist die Hymne der Zwerge, die auch ab und an adaptiert wird und den haben wir extra für Die Zwerge geschrieben. Der zieht sich wie eine Art Filmmusik auch durch das ganze Geschehen, wird mal als Prozession gespielt, dann wieder etwas frischer, wie man das eben von einem Soundtrack auch kennt.

Otti:
Also abhängig von der Situation immer wieder verschiedene Variationen.

Castus:
Genau. Aber wir sind natürlich unserem Stil treu geblieben und haben den mittelalterlichen Stil beibehalten. Da muss also niemand Angst haben, dass er nun hochmodernen Töne bei Corvus Corax hören wird. Das ist bei uns nicht nötig.

Otti:
Also hören wir dort Corvus Corax, aber angepasst an die Situation jeweils.

Castus:
Ja, genau. Also wir spielen Stücke, zwischendurch machen wir aber sozusagen eine Sound-Collage, mit klappernden und knirschenden Knochen und so etwas. Wir versuchen dadurch auch etwas gruselige Athmosphäre zu erzeugen. Ich hab mich danach mit Publikum unterhalten und die sagten schon, dass sie an manchen Stellen richtig Gänsehaut hatten. Das Licht und der wahnsinnige Blick von Johannes brachte die Gänsehaut und es war zum Fürchten. *lacht* Es ist ja an einigen Stellen auch eine morbide Story.

Otti:
Hattest du das Buch denn schon vorher gelesen oder musstest du dich erstmal reinarbeiten?

Castus:
Also es war so, dass ich darin rumgeblättert hatte. Ich wusste wohl, dass es das gibt, aber ich war eigentlich nie der Fantasy-Freak, dadurch bin ich es aber geworden. Inzwischen interessieren mich die Sachen von Markus auch vermehrt. Ich hab dann auch in das Hörbuch reingehört und natürlich das Drehbuch verschlungen, das für die Show geschrieben wurde. Wir haben ja schon gelegentlich Film-Musiken gemacht und werden das in Zukunft auch noch öfter machen und da verschlinge ich solche Drehbücher natürlich auch innerhalb von Stunden. Man ist dann ja auch immer so heiß darauf, dass man das an einem Stück verschlingen muss, um die ganzen Zusammenhänge zu erfassen. Da kann man nicht mal eben zehn Minuten reinlesen.

Otti:
Ihr habt ja gerade auch mit Cantus Buranus eine DVD veröffentlicht. Wäre das für Die Zwerge nicht auch eine Option?

Castus:
Wir haben darüber natürlich schon nachgedacht, aber wir sind uns noch nicht sicher. Wir haben ja schon einmal mitgefilmt, aber das ganze müsste dann aufwändiger gemacht werden, als es bisher wurde. Also es wäre möglich, aber wir sind da bisher nicht sicher. Da müsste man in ein gutes Kamerateam investieren und dann schauen, ob das aufgeht. Letztlich ist es ja doch nur ein Schauspieler und wir selbst agieren ja nicht viel. Das ist einfach genial, aber ich glaube am besten sollten die Leute es live sehen und sich nicht nehmen lassen. Eine DVD ist dann einfach nicht so persönlich. Bei einem großartigen Werk wie Cantus Buranus ist das natürlich etwas anderes, wobei man sich auch das ja fast eher im Kino angucken müsste, als zuhause vor dem Fernseher.

Otti:
Das geht mir bei Konzert-DVDs oft ähnlich. Wenn ich die zur Rezension bekomme, finde ich sie zwar schön, aber im Endeffekt ist es doch eher ein Erinnerungsstück oder eine Vorbereitung auf das nächste Konzert.

Castus:
So empfinde ich das auch. Wenn man dagewesen ist, dann kann man sich das mitnehmen. Es ist ja auch so bei den Corvus Corax Konzerten. Wenn man sich die Musik einfach nur so anhört und uns nicht kennt, dann kann das für viele Leute schon zu krass sein. Wenn man es aber live gesehen hat und uns kennt, weiß wie das alles funktioniert und auch Bilder im Kopf hat, dann wird man diese Musik lieben. Das ist eben auch der Unterschied zum Mainstream.

Otti:
Ich muss übrigens sagen, das ist bei mir gerade bei Corvus Corax der Fall gewesen. Früher hab ich nur gedacht: Mittelaltermusik wie viele andere auch. Aber wenn man sich damit beschäftigt, dann hat man natürlich auch einen anderen Bezug. Dann schaut man sich die DVDs an, liest Interviews oder führt sie und gerade dadurch bekommt Musik etwas faszinierendes. Ein Miteiander-Erleben. Siehst du das genauso? Das man im Endeffekt auch mit dem Publikum wächst?

Castus:
Na sagen wir mal so: In den 21 Jahren hat sich das natürlich auch geändert. Das Publikum wurde älter ... und jünger. Das Publikum ist mitgewachsen und mittlerweile kommt die neue Generation. Wir können also immer noch bestehen und für viele sind wir immer noch "Die Könige der Spielleute". Dabei hat das mal die Presse aufgegriffen, wir haben damit kokettiert, weil wir das natürlich toll fanden, dass das Publikum uns sozusagen gekrönt hat., aber da geht es uns natürlich nicht um den Ehrentitel. Wir sind einfach gerne unterwegs - auch im nächsten Jahr wieder vermehrt mit einem neuen Projekt. Ich weiß nicht, ob du das schon gehört hast: die meisten von Corvus Corax haben am 03. September in Ulm eine Premiere mit BerlinskiBeat. Das ist Balkan-Musik mit unseren Instrumenten, aber auch mit Blechbläsern zusätzlich. Das ist Arschwackeln - vor allem für Frauen. Wir haben das ja geprobt und das ist wieder ein komplett neuer Wahnsinn, aber es macht so unheimlichen Spaß. Wer weiß wie Corvus Corax entstanden ist - der Wim und ich haben, bevor wir mittelalterliche Musik gemacht haben, genau solche Musik gemacht. Dann haben wir mittelalterliche Musik gemacht mit den Einflüssen aus Osteuropa, weil wir ja aus der DDR waren und eben diese Einflüsse hatten. Wir konnten ja gar nicht nach Frankreich, oder Italien und Spanien oder so. Darum sind wir dann eben durch bulgarische Folklore, rumänische Zigeunermusik, ungarische Hochzeitsmusiker beeinflusst und mit denen haben wir auch zusammen Musik gemacht und haben solche Musik dann eben auch professionell schon aufgeführt. Dann kam die mittelalterliche Musik, die ja auch so beeinflusst war - durch Osteuropa und den Orient und so ist Corvus Corax dann entstanden. Also wir haben das Mittelalter neu erfunden. Heutzutage spielt das die ganze Welt in diesen Einflüssen und jetzt gehen wir sozusagen "back to the roots" und machen wieder das, was wir vorher gemacht haben. Corvus Corax und Cantus Buranus wird natürlich weitergehen, aber wir haben für uns entschieden: "okay, jetzt machen soviele Balkan-Musik, jetzt zeigen wir denen noch mal wie alles angefangen hat". Der Wim hat früher Trompete gespielt, ich hab Gitarre gespielt. Ich werd nun nicht mehr Gitarre spielen, weil das zur Zeit in der Besetzung jetzt nicht passt, aber ich spiele auch Saiteninstrumente: bulgarische Folkloreinstrumente, Wim spielt Dudelsack, aber auch Trompete. Wir haben auch einen Trompeter und zwei Saxophonisten und ich bin mir ziemlich sicher, alle, die bisher mit im Studio waren, Mädels sind aufgesprungen und haben gleich getanzt.

Otti:
Da muss man also dabei sein, schon allein für die Show.

Castus:
Genau. Man wird vielleicht nicht zu uns gucken, sondern eher auf die wackelnden Ärsche ... also auf die schönen wackelnden Hintern. Ärsche nehm ich mal zurück.

Otti:
Was ich immer faszinierend finde: Ich hab mich selbst ja auch ein wenig mit Dudelsäcken befasst. Viele assoziieren, das ja immer mit Schottland oder Britannien. Wenn man aber sieht wie verbreitet allein die Sackpfeife in Europa ist und sich quer durch die Folklore gezogen hat, das war für mich faszinierend. Ist das bei euch auch so, dass ihr immer wieder neue Sachen entdeckt, neue Querverbindungen findet oder etwas weiterentwickelt?

Castus:
Das merken wir natürlich ständig, wenn wir auf Reisen sind, ist das immer wieder so. Auf der Cantus Buranus-DVD ist ja auch ein Special über China. Wir waren ja 2008 im November in China und haben da dann auch Instrumente gesehen und gekauft. Der Dudelsack ist in Indien entstanden, aber ähnliche Instrumente sind dann nach China gekommen vor über 2000 Jahren und durch fahrende Spielleute wie uns kamen die dann nach West-Asien und Ost-Europa und da haben sich teilweise die Dudelsäcke in der alten Form, wie sie in Indien ja teilweise jetzt noch gespielt werden, gehalten. Wenn man also so durch die Welt kommt und dann irgendetwas sieht - in Spanien hat man eher die keltischen, schottischen Varianten des Dudelsack - in Deutschland gibt es ja die Sorben. Das ist ein slawischer Volksstamm aus unserer Gegend, die auch eine eigene Sprache haben, und die spielen den sorbischen Bock. In Böhmen gibt es den böhmischen Bock, das ist auch ein ganz spezieller Dudelsack. Ich hab auch mehrere davon und spiel sie auch selber so für mich, weil sie für die Bühne ein bisschen leise sind. Aber sie haben so einen ganz bestimmten krassen Sound. Also ich selber hab ungefähr fünfzig verschiedene Dudelsäcke und das reicht natürlich noch nicht, weil es noch soviele unterschiedliche gibt. Der italienische Zampogna hat auch einen ganz krassen Sound und sowas brauchen wir eben auch bei uns im Studio, denn wir machen ja nicht nur Bühnenmusik, sondern in Zukunft auch vermehrt Sound-Design und Film-Musik. Wir haben jetzt gerade etwas für Hans Zimmer gemacht für einen Mittelalterfilm, der nächstes Jahr rauskommt, da haben wir ein paar Mittelaltersounds mit beigetragen und sowas wollen wir jetzt auch vermehrt machen.


"Ich liebe es den Auftritt zu genießen und meine angetrunkenen Kollegen zu beobachten"

Otti:
Darfst du schon sagen wie der Film heißt?

Castus:
Ironclad. Zusätzlich gibt es die amerikanische, mittelalterliche Fantasy-Serie Game Of Thrones, in deren Pilotfilm auch Sachen von uns benutzt werden. Über andere Dinge will ich nocht nicht weiter reden, solange sie nicht feststehen, aber diese Richtung interessiert uns momentan wieder vermehrt. Dadurch lernt man wieder ganz andere Menschen kennen, Komponisten, mit denen man zusammenarbeitet. Man kommt auch durch die Welt. Mit BerlinskiBeat wird das dann auch so sein, aber das machen wir mit Robert Soko zusammen, der Erfinder der Balkan-Beat-Szene überhaupt. Er ist eigentlich aus Bosnien, lebt aber inzwischen seit über zwanzig Jahren in Berlin. Seit 1992 macht er diese Balkan-Beat-Geschichte und die ist ja wirklich weltweit am boomen. Für uns natürlich geil das mit dem Erfinder zusammen zu machen. Mit wem, wenn nicht mit dem? Deswegen hat es natürlich auch seine Berechtigung, dass wir da back to the roots gehen und mit ihm zusammen dann auch unseren Spaß haben. Er ist DJ und legt auf der ganzen Welt auf, kürzlich in Brasilien und Budapest. Mit uns möchte er nach Mexiko. Da werden wir dann auch überall mit BerlinskiBeat spielen. Budapest, Paris, London, Mexico City sind schon fest geplant. Mal sehen, was noch alles dazu kommt.

Otti:
Das ist ja dann für euch nochmal eine komplett neue Erfahrung - Corvus Corax ist ja auch weit rumgekommen, aber das scheint ja dann eine Welt-Tournee zu sein.

Castus:
Ja, das muss man sehen, ob das dann eine Welt-Tournee ist oder im Rahmen seiner DJ-Auftritte. Ich will es als Tournee eigentlich nicht betrachten. Ich denke es werden einfach freie Wochenenden sein, in denen wir uns dann eben in Paris und London rumtreiben. Man kann das bisher noch nicht genau sagen, aber es kann auch sein, dass wir dann doppelt spielen. Einmal mit Corvus Corax und dann BerlinskiBeat dazunehmen.

Otti:
Was ich bei euch ja verdammt faszinierend finde, ist die Fülle der Projekte. Bei Tanzwut bist du ja jetzt nicht mehr dabei.

Castus:
Bei Tanzwut ist fast keiner mehr dabei von uns, nur der Teufel. Aber genau darum gehen Tanzwut und Corvus Corax im Grunde auch getrennte Wege, weil wir einfach gesagt haben "Schuster bleib bei deinen Leisten" und mach etwas, was du wirklich kannst. Und deswegen hab ich damals ja auch aufgehört. Ich habe mich da eher als Background-Sängerin gesehen bei Tanzwut. *lacht* Für mich ist das Projekt eher durch gewesen. Der Teufel hängt aber dran und ich find es auch gut, dass er das weitermacht. Wir haben das damals zusammen gegründet und damit war es auch nicht umsonst, auch wenn aus der Ur-Besetzung nur noch der Teufel übrig ist. Es gibt jetzt noch ein paar Konzerte, aber danach gehen eben Tanzwut und Corvus Corax jeder seinen eigenen Weg. Aber ich denke wir haben alle das gute Gefühl, dass wir uns genau das richtige ausgesucht haben.

Otti:
Der Teufel hat ja jetzt auch ein Solo-Projekt gestartet.

Castus:
Genau, ja.

Otti:
Hast du denn die Sachen schon gehört? Ich gehe davon aus, oder?

Castus:
*lacht* Dazu sag ich jetzt nix. Naja, es ist eben Geschmackssache. Meinen trifft es nicht.

Otti:
Ok. Wir wollten ja eigentlich das Interview nach dem Konzert führen. Was wirst du denn danach machen? Sofort ins Hotel, schlafen oder noch einen trinken?

Castus:
Ich bin ja ein spezieller Fall bei uns, weil ich ja nie vorm Auftritt trinke. Ich liebe es den Auftritt zu genießen und meine angetrunkenen Kollegen zu beobachten, was ja gelegentlich mal passiert. Wenn Teufel zum Beispiel zuviel getrunken hat, dann sieht man wie enthemmend Alkohol wirkt. *lacht* Aber ich brauch das nicht mehr. Ich hab das früher auch gern mal gemacht, aber inzwischen macht es mir keinen Spaß mehr. Und danach trink ich dann erstmal ein bisschen Bierchen oder Weinchen und dann kann man auch nicht sofort ins Hotel gehen. Man ist aufgewühlt, der Körper ist voll von Endorphinen, das hält einen extrem wach. Man ist hibbelig und will mit Leuten reden ...

Otti:
Sicher auch Feedback erfahren ...


"Ich war eigentlich nie der Fantasy-Freak, durch Die Zwerge bin ich es aber geworden"

Castus:
Ja, das kommt ja immer drauf an. Wenn die Mucke nicht ganz so gut lief auf der Bühne, oder jemand war zu betrunken, dann hab ich vielleicht auch schlechte Laune und verschwinde sofort ins Hotel. Das hängt also davon ab, wie sich das Programm entwickelt.

Aber da fällt mir noch etwas ein. Im Oktober sind wir ja mit den Zwergen unterwegs. Dann werden wir einen Monat Kreativurlaub irgendwo in Mexico oder so machen und dann haben wir etwas ganz spezielles vor. Wir wollen eine Corvus Corax-Tourgeschichte machen. Das heißt wir werden endlich mal zeigen, wie Handwerk geht. Wir nehmen keinen Lichtmann mit, es wird keine Mikros oder sonstiges geben. Wir spielen pur wie auf einem Mittelaltermarkt, in kleineren Läden. Das soll dann im Dezember wirklich eine Party sein und wir hoffen natürlich, dass die Leute dann auch vorbeikommen. Corvus Corax zum Anfassen, ohne Anlagen und wirklich nur mit den Instrumenten. Dann auch nicht mit Riesen-Drehleier, sondern wirklich zwei Stunden Party durch, dabei trinken soviel wie reingeht und dann glücklich nach Hause gehen.

Otti:
Stehen die Termine dafür schon fest?

Castus:
Die stehen schon fest, sind aber noch nicht veröffentlicht.

Otti:
Ganz kurz noch zu Dragon Age - da habt ihr ja den Soundtrack zugesteuert. Habt ihr mit dem zweiten Teil nun auch etwas zu tun oder ist das an euch vorbei gegangen?

Castus:
Das ist insofern an uns vorbei gegangen, als dass wir auch gar keine Zeit hatten. wir haben ja jetzt aufm Wacken das Stück Grey Warden Creed präsentiert mit einer gigantischen Feuershow und den schwarzen Rittern zu Kaltenberg, die dann auch brennend auf die Bühne kamen und so. Das war gigantisch. Wir arbeiten also immer noch mit denen zusammen, haben jetzt aber selbst keine Zeit gehabt, da irgendwie weiter mit zu arbeiten. Bei solchen Geschichten gibt es ja dann leider auch immer das leidige Thema der Gema. Das will ich jetzt auch gar nicht weiter erklären, aber darin liegt eben oft der Grund, wieso man Sounds beisteuert, aber eben selten Musik.

Otti:
Also ich denke, es sollte so langsam auch reichen. Du willst dich ja sicher auch noch auf das Konzert vorbereiten und so. Gibt es noch Dinge, die du ankündigen magst oder etwas, was du sagen möchtest?

Castus:
Also dieses Jahr ist noch lange nicht um. Wir machen Die Zwerge, dann sind wir mit Corvus Corax Unplugged unterwegs, im Januar gibt es wieder ein paar Termine mit Excalibur. Das ist ja diese keltische Rockoper mit dem Michael Mendl als Merlin, mit Les Holroyd, dem Sänger von Barclay James Harvest und so. Im März/April sind wir mit BerlinskiBeat wieder unterwegs und haben auch Termine mit Excalibur. Wir hören also nicht auf, sind eher nur noch am Arbeiten. Aber darum nutzen wir ja den November-Kreativurlaub dann auch gleichzeitig zum Arbeiten, weil für richtigen Urlaub kaum Zeit bleibt.

Otti:
Das ist ja bei mir auch ähnlich. Ich hab ja auch mein Hobby zum Beruf gemacht und gehe dann auf solche Festivals ...

Castus:
Genau. Einfach so, dass man das ein bisschen mischen kann. Und ich denke, da wo wir dann den Kreativurlaub machen, werden wir sicher auch extrem gut gelaunte Musik schaffen, was wir auch planen.

Otti:
Gut, dann danke ich dir.

Castus:
Ich danke ebenso.

www.corvuscorax.de

Art des Interviews: face2face
15.10.2010 by Otti

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